Intrigen und rasante Degengefechte
Tosender Beifall des Publikums bei der Premierenvorstellung von „Die drei Musketiere“ im Theater im Steinbruch.
Das Theater im Steinbruch hatte am Samstag mit „Die drei Musketiere“ nach dem 1844 erschienenen Bestsellerroman „Les trois mousquetaires“ von Alexandre Dumas Premiere und die Zuschauer waren begeistert von den drei Rebellen.
Athos, Porthos und Aramis hängen irgendwo ab, süffeln, schwadronieren von großen Taten und lassen keine Gelegenheit zu einem Fechtkampf aus. Die Anzahl der Klagen gegen die Rüpeltruppe bringt ihren Kommandanten Tréville (Gottfried Groener) zur Verzweiflung. Als der junge Springinsfeld d’Artagnan auf sie trifft, wird schnell klar: Er gehört zu ihnen. Mit Fanfarenklängen aus dem Mittelalter beginnt das große Abenteuer, ein zweistündiges Mantel-und-Degen-Spektakel mit spannenden Fechtkämpfen und infamen Intrigen.
Die Aufführung ist eine famose Zeitmaschine, die den Versuch wagt, 800 Romanseiten und eine Fülle von Figuren und Details auf engstem Zeitraum nachzuerzählen. Das nun zum Quartett aufgestockte Trio ergreift bekanntlich für König Ludwig XIII. und dessen Gemahlin Partei. Tatkräftig bemühen sie sich, das Paar vor den Intrigen und Anschlägen des Kardinals Richelieu zu schützen.
Die Zuschauer kommen vor Spannung kaum dazu, Luft zu holen. Im Theater im Steinbruch wird ein Trommelfeuer von Abenteuern gezündet. Die einzelnen Episoden − die Diamantspangenaffäre, die Intrigen der Lady Winter, die Verzweiflung des Käsehändlers über seine ständig zum Flirten aufgelegte Ehefrau Constance Bonacieux, die aussichtslos scheinende Liebe des Herzogs von Buckingham zu Anna von Österreich und andere mehr − jagen über die Bühne. Vor allem Kardinal Richelieu und seine skrupellose Instrumentalisierung ist unschwer als zentraler Moment erkennbar.
Das Theaterteam hat dafür einige flexible Kulissen gebaut, die von den Akteuren zu immer neuen Räumen, Schlössern, Kampfplätzen werden. So entstehen auf der Bühnenfläche neue plausible Muster. Dazu wurde die große Bühne rechts und links von versetzten Kulissen markiert, der Blick des Zuschauers wird aber auf die Mitte konzentriert. Das vermeidet ein ermüdendes permanentes Auf- und Abtreten der Akteure wie auf anderen Bühnen. So können die parallel verlaufenden Fäden geschickt miteinander verknüpft werden. Ebenso flexibel sind die Schauspieler, wechseln Rollen wie Kostüme.
Das Spektakel der vielen Fechtszenen ist höchst beeindruckend: Betreut von Benedikt Bachert, der auch auf diesem Gebiet ein Fachmann zu sein scheint, beweisen die Schauspieler akrobatische Fähigkeiten. Leonardo Lukanow spielt den ungestümen d’Artagnan, wie man sich ihn wünscht: gut gewachsen, smart und ein wenig naiv, leicht entflammbar im Kampf und in der Liebe. Großartig sind seine drei Musketierkollegen Athos (Lorenz Allweyer), Porthos (Johannes Wipfler) und Aramis (Lukas Kadlec).
Juliana Bachert gelingt es, ihre Constance Bonacieux mit attraktiver Warmherzigkeit zu überziehen, herrlich trottelig kommt Herr Bonacieux (Michael Schäfer) daher, während Silvia Gschwendtner als Lady de Winter im weinroten Samtkkleid mit eiskalter Ruchlosigkeit besticht. Als herrlich verschrobenen Engländer gibt Gunter Hauß den Herzog von Buckingham. Und Christian Fuhrmann überzeugt als düsterer Drahtzieher Kardinal Richelieu.
Bühnenlogistisch ist Benedikt Bacherts Inszenierung eine Meisterleistung. Immens ist die Menge der kleinen Gags, die in nahezu jeder Szene eingebaut sind.Mit stupender Präzision kommt das reibungslose Ineinandergleiten der einzelnen Auftritte daher. Über den vordergründigen Spaß hinaus deutet das Stück eine Reflexion über Sex und Gewalt, Macht und Lust an. Die Umsetzung des Erzählwerks gelingt großartig, das Ensemble erreicht eine Geschlossenheit. Und da das Publikum spürt, dass die Protagonisten alles geben− spendet es tosenden Beifall.