In Emmendingen steigen Pfarrer und Bürgermeister in den Ring – und das Publikum jubelt

Temperamentvoll, wie man es sich vorstellt: Die Premiere von Don Camillo und Peppone im Theater im Steinbruch endet mit stehenden Ovationen.

Spontanes Lachen und häufiger Szenenapplaus kennzeichneten die gelungene Premiere von Don Camillo und Peppone am Samstagabend im Theater im Steinbruch. Es wird handfest gestritten, es wird gefeiert, gesungen und Fußball gespielt, es gibt Selbstmorddrohungen, es wird geheiratet und gestorben in dem kleinen italienischen Dorf, das das Theaterteam in den Steinbruch gezaubert hat. Das italienische Flair überzeugt ebenso wie jeder Einzelne in seiner Rolle. Das Publikum hielt es nach zweieinhalb lebhaften, unterhaltsamen Stunden beim stürmischen Schlussapplaus nicht auf den Plätzen, es applaudierte stehend.

Prägend für das Stück ist Regisseur Benedikt Bacherts Idee, Jesus nicht als körperlose Stimme, sondern als weitere Hauptperson einzubringen. Dieser Jesus ist souverän und locker, tanzt und sitzt auch mal im Hängesessel, den er aber bei Bedarf ebenso verlässt wie das Kreuz. Oder vielmehr sie, denn den Jesus spielt Jasmin Baumgratz: voller Verständnis für alle Menschen, pragmatisch, mit klarer Linie. Das gibt schon mal Zoff mit ihrem Erdenpersonal, dem Dorfpfarrer Don Camillo. Den spielt Gunter Hauß ebenso temperamentvoll und schlagfertig (im doppelten Sinn) wie Hans Bürkin den kommunistischen Gegenspieler des Pfarrers.

Ein perfektes Paar: Schön, wie sie einander anfunkeln, aufeinander losgehen – und dann doch wieder beim Wein zusammenfinden. Aber auch Peppone hat seine Meisterin, nämlich seine Frau Ariana (energisch: Rebecca Schneider).

Die beiden wollen ihr Kind taufen lassen, Lenin soll es heißen. Nicht mit Don Camillo! Bis Jesus ihm ins Gewissen redet. Also wird die Sache entschieden wie üblich: mit den Fäusten. Mit ein bisschen Nachhilfe von oben siegt Don Camillo – und zeigt sich kompromissbereit: Der Kleine wird Libero Camillo Lenin heißen und Don Camillo ist sein Pate.

Aber dass die Roten die Wahlen gewonnen haben und nun ausgerechnet Peppone Bürgermeister wird – Don Camillo verzweifelt schier, lässt eine scharfe Predigt vom Stapel. Denn Peppone hat zum Generalstreik aufgerufen, „keiner tut nix mehr“. Mit der Sprache hat er es nicht so. Aber er überzeugt die Seinen, auch den „idiotischen Kommunisten“ und die „kommunistische Idiotin“ – Olav Seyfarth und Christina Menner zeigen sich voll der Sache der Revolution ergeben. Gründe sind da, alles wird teurer, nur die Löhne bleiben niedrig.

Zeit für die traditionelle Prozession bleibt kaum, es muss eine Demo sein – fast fliegen Kreuz und Mistgabel. Aber Fußball spielen alle. Die Motivation besteht aus puren Grobheiten, die das Publikum zum Lachen bringen. Der Ball wird auch mal ins Tor getragen, Schiri Binella (Kiran Kostka) guckt weg, bewilligt einen nicht so sauberen Elfmeter für die Roten: Sie haben es geschafft.

Dann ist da noch die Liebesgeschichte zwischen den Sprösslingen der seit Jahrhunderten verfeindeten Familien: Gina (Josephine Blust) ist Tochter des Großgrundbesitzers, Mariolino (Justin Wilper) der Sohn von Peppones rechter Hand. Sie sind eigensinnig, trotzig, zerstritten, aber sie wollen heiraten, was Ginas Vater (durchtrieben: Thorsten Scherer als Pasotti) ebenso verhindern will wie Mariolinos Mutter (Andrea Gerhold). Worauf das Paar ins Wasser gehen will, aber das ist verdammt kalt. Die große Suchaktion vereint alle Kräfte des Dorfes, sogar die verkrachten Eltern. Nicht für lange, das junge Paar wird gefunden und es gibt eine unkonventionelle Hochzeit.

Immer wieder schimmert der ernste Hintergrund des im Jahr 1948 angesiedelten Stückes durch. Die pensionierte Lehrerin Cristina (resolut bis zum Schluss: Silvia Bender) schimpft: Sie habe sich bemüht, Kindern etwas Verstand beizubringen – aber nicht, damit die in Uniformen gesteckt und wie die Hasen abgeschossen werden. Ihr Wunsch: Den Bürgerkrieg zu beenden. Den müssen ihr die beiden Erzfeinde, die so viel gemeinsam haben, dann doch erfüllen: Sie versprechen es.

Hans-Joachim Wipfler, Vorsitzender des Theaters, geht in seinem Dank an das Team auch auf diesen Aspekt ein: „Wir sind in einer Zeit, in der es schön wäre, wenn sich am Schluss die Gegner die Hand geben würden.“ Die Streithähne des Stücks nähern sich sogar einander an: Don Camillo hat, ebenso wie Jesus, durchaus ein Herz für die Anliegen der Kommunisten – und Peppone stibitzt das Jesuskind aus der Krippe, um am Ende … nein, das wird nicht verraten.