Fantasie und Realität vermischen sich beim Emmendinger Winter-Märchenstück
Das Theater im Steinbruch zeigt in der Vorweihnachtszeit das Märchenstück „Nussknacker und Mäusekönig“. Nicht nur die Zuschauer müssen sich da warm anziehen.
Turbulent geht es zu in der Weihnachtsnacht und also auch beim Winterstück des Theaters im Steinbruch, „Nussknacker und Mausekönig“ nach E.T. A. Hoffmanns romantischem Märchen. Beim Probenbesuch ist vieles noch in der Mache, doch lässt sich schon jetzt sagen: Es wird abenteuerliche und spannend an den Adventswochenenden im Steinbruch, aber auch zauberhaft – und es geht gut aus.
Nicht nur, aber besonders Kinder werden ihren Spaß haben an der Geschichte vom Nussknacker, der zum Leben erwacht, den Mäusen, die ihn verfolgen, und der warmherzigen Marie, die ihn als Einzige erlösen kann. Das magische Geschehen ist eingebettet in eine ganz reale Weihnachtswelt. Da wird auf die Bescherung gewartet, gehofft und gestritten, was das Zeug hält; hier die Freude über die Geschenke, dort der Ärger, dass es grade für die fantasievolle Marie noch ein Buch sein musste. Da ist die robuste Schwester, die beim Ausprobieren gleich den Nussknacker beschädigt; und die Kinder wollen nicht ins Bett – Weihnachten eben.
Warum dieses Stück? Das Amateurtheater wollte sein Jubiläumsjahr zum 20-jährigen Bestehen gern mit einem Winterstück abschließen. Viele aus dem Jugendensemble wollten mitspielen – und da passt das Stück hervorragend, sagt Gunter Hauß, der gemeinsam mit Andrea Gerhold Regie führt; beide haben schon 2021 bei den „Haselnüssen für Aschenbrödel“ zusammengearbeitet. Den „Nussknacker“-Autor Marc Gruppe kannte Hauß schon vom ersten Weihnachtsstück des Steinbruchtheaters, Charles Dickens „Fröhliche Weihnachten, Mr. Scrooge“ im Jahr 2018. „Bei mir hat die Fantasie schon beim Lesen eingesetzt, das ist ein gutes Zeichen“, ergänzt Gerhold, „dann passiert es auch auf der Bühne.“
Pro Vorstellung werden zwölf Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne sein, die Jüngste ist acht Jahre. Für drei Rollen gibt es zwei Besetzungen – nicht nur, weil es mehr Spielwillige als Rollen gab: „Unser kleiner doppelter Boden“, erklärt Hauß; im Sommer konnten nur zwei Vorstellungen in Originalbesetzung gespielt werden, weil mehrere Darsteller erkrankt waren. Allerdings macht diese Vorsicht mehr Proben notwendig und für das Winterstück ist die Zeit ohnehin knapp: Gleich nach den Sommerferien ging es los mit den Vorbereitungen.
Im Stück vermischen sich Fantasie- und reale Welt: der ein wenig steife, gutbürgerliche Haushalt, in dem fröhlich Weihnachten gefeiert wird, und das nächtliche Treiben der Spielfiguren. Auch in den Personen treffen sich beide Welten: Eine von Maries Schwestern spielt den Mausekönig, der Husaren-Zinnsoldat ist auch der Arzt und die Puppe die Köchin. Solche Personenwechsel fordern die Darsteller im Winter ganz besonders – große Umziehmanöver hinter den Kulissen verbieten die Temperaturen, da müssen kleine, gut durchdachte Änderungen viel bewirken. Sieben Grad plus bei der Probe sind zwar nicht eisig. Aber wer nicht spielt, mummelt sich in Steppjacke, Mütze, Handschuhe, Schal und Decke ein – was auch den Zuschauern dringend zu empfehlen ist. Trotzdem: Das Geschehen auf der Bühne lässt die Kälte (fast) vergessen. Und das flotte Spiel wärmt die Darsteller ebenso wie die technischen Anforderungen: Der Transport des Bettes, in dem der beschädigte Nussknacker liegt, ist eine Herausforderung, obwohl die Darstellerinnen gut drauf sind: „Wir waren doch im Gym!“
Liebevoll ist die Ausstattung des Bühnenbildes, die Requisiten sind mehr als einen Blick wert: eine alte Uhr, Püppchen und Zinnfiguren im Regal, Grammophon und Teegedeck am Platz für den Erzähler. Vieles ist in dieser Phase noch improvisiert: Eine Leiter fungiert als Tannenbaumersatz, und die Drehscheibe für die Spieluhrfigur, Mausefalle, Keksdose sowie Mäuseohren und Schnurrhaare sind noch in Arbeit. Und es gibt, wie immer, ein paar Besonderheiten, Mäuse mit Taschenlampen beispielsweise; das Licht, das mal an alte Schwarzweißfotos erinnert, nachts aber bunt und fröhlich wird. Und die Musik: Die hat Justin Wilper für das zauberhafte Geschehen geschrieben. Auf das sich viele freuen: Etwa die Hälfte der Karten seien bereits verkauft, sagt Hauß.