Emmendingen: Ein Adliger besucht den Steinbruch

Das Theater im Steinbruch zeigt einen Weihnachtsklassiker: Der kleine Lord. Schon seit Jahren steht das Stück auf der Wunschliste des Regisseurs. Doch erst jetzt passe alles zusammen, sagt er.

Einen Weihnachtsklassiker spielt das Theater im Steinbruch an den vier Adventswochenenden: „Der kleine Lord Fauntleroy“ verspricht eine schöne Einstimmung auf das Weihnachtsfest für Groß und Klein. Der Ansturm auf die Karten ist bereits groß. „Wir werden nicht den Film nacherzählen“, sagt Regisseur Gunter Hauß, „und wir werden den Klassiker nicht modernisieren, der Geschichte aber schon was Neues geben“. Gespielt wird in Kostümen der Originalzeit. Für Hauß ist es die achte Inszenierung als Regisseur und das vierte Freiluft-Winterstück.

Hauß hat eine persönliche Sympathie für den kleinen Lord, wie er erzählt, und hätte das Stück gern früher auf dem Spielplan gehabt. Aber das Thema „alter Griesgram – zu Weihnachten geläutert“ war beim ersten Winterstück 2018 im Dickens-Stück „Fröhliche Weihnachten, Mister Scrooge“ abgedeckt und Abwechslung ist Trumpf beim Theater im Steinbruch. Dann stand das Stück zwar für Weihnachten 2022 auf der Auswahlliste, aber es waren zahlreiche Mädchen im Ensemble, für die es im „Kleinen Lord“ keine Rollen gegeben hätte. Doch diesmal passe alles, das Ensemble ebenso wie das Bühnenbild. Nachdem sich der Verein erst vor zwei Monaten in vielen Positionen neu aufgestellt hat, sollte der Aufwand nicht aus dem Ruder laufen. Also wird Vorhandenes kreativ genutzt: Die Kirche aus dem Sommerstück „Don Camillo“ wird zum Schloss, die Parteizentrale zum Gemischtwarenladen und die italienische Gemeinde wird nach England verlegt. Die Technik setzt auf schöne Atmosphäre, Winter und Dunkelheit helfen dabei – das hält den Aufwand in Grenzen. Schließlich gibt es im Jubiläumsjahr 100 Jahre Amateurtheater erstmals nach 2014 wieder vier Theaterstücke.

Das Stück hat zehn Textrollen, es spielen fünf Männer, vier Frauen und ein Kind, die Altersspanne reicht von zwölf bis 66 Jahren. Die Mehrzahl hat schon seit Jahren in vielen Produktionen mitgewirkt, aber es gibt auch Neulinge beziehungsweise welche mit wenig Spielerfahrung. Mitte September gab es die ersten Leseproben, dann ging es direkt raus. Und weil das Zeitfenster für die Produktion knapp ist – Premiere ist am 30. November – , waren bald zwei bis drei Probentermine pro Woche gesetzt; in der letzten Woche werden es vier sein.

Gefeilt wird an jedem Detail – etwa einem weiteren Flicken auf der Jacke des Schuhputzers – und an ganz praktischen Dingen. Wenn das Keksessen dem Gemischtwarenhändler in einer Szene auf die Stimme geht, muss er in dem Moment verzichten. Der Regie-Rat an den „kleinen Lord“ lautet: „Lass dir Zeit mit dem Text.“ Nicht so einfach, wenn man vom Rennen außer Puste ist. Auch am Text wird noch gefeilt – er muss perfekt sitzen und Doppelungen werden herausgenommen.

Gespielt wird nach dem Text von Marc Gruppe. Hauß mag dessen Textfassungen, wie er sagt, weil Gruppe die Geschichte auf das Wesentliche beschränke. Das sorgt für ein dichtes Theatererlebnis und dafür, dass es dem Publikum selbst bei niedrigen Temperaturen – beim Probenbesuch waren es grade mal fünf Grad plus – nicht so schwerfällt stillzusitzen. Wegen des Brandschutzes, aber auch wegen der Nachhaltigkeit werde auf Heizpilze verzichtet, sagt Hauß. Dafür gibt’s heiße Getränke zum Aufwärmen, erstmals auch alkoholfreien Glühwein.

Ansonsten helfen die Anti-Kälte-Klassiker, und da dürfen sich die Zuschauer gern vom Schauspielteam was abgucken: das Zwiebelprinzip, Skiunterwäsche unter wintertauglichen Kostümen, Hut, Mütze und Schal. Auch eine Perücke kann nicht nur beim alten Lord Wunder wirken – und beheizbare Jacken und Westen, beispielsweise beim kleinen Lord und bei der Regieassistenz. Alle tragen zudem beheizte Einlegesohlen in den Schuhen, verrät Hauß. Schließlich soll sich keiner erkälten. Nur für eine Rolle gibt es eine zweite Besetzung und die ist nicht als Krankheits-, sondern als Verhinderungsvertretung gedacht. Was das Ensemble nicht darf, wohl aber das Publikum: Sich in Decken (am besten mitbringen!) und/oder in einen Schlafsack hüllen. Keine Sorge – einschlafen wird niemand! Dazu verspricht es viel zu schön zu werden und auch spannend.