Eine mitreißende Premiere

Am Samstag begannen im Theater im Steinbruch die witzig gespielten Märchenaufführungen.

Ja, kalt war’s bei der Premiere „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Theater im Steinbruch am Samstagabend. Kein Wunder, gespielt wird unter freiem Himmel und geheizt ist dieses Theater nicht. Macht aber gar nichts, im Gegenteil: Dafür gibt’s viel frische Luft und ein liebevoll und witzig gespieltes Märchen, wie geschaffen als Auftakt zur Adventszeit.

„Wir sind die einzige Freilicht-Bühne Baden-Württembergs, die so was macht“, sagt Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler stolz. „Die Schauspieler sind so verrückt nach ihrem Hobby….“ Und spielen, als gäbe es die Kälte nicht: Erst beim Schlussapplaus ahnt man, dass opulente Kostüme mit Brokat und Borten keine funktionelle Winterkleidung sind – egal, wie viel man drunter packt. Die Zuschauer haben es da besser, manche schaffen sich aus Decken, Mänteln und Schals einen kleinen Thron auf der Tribüne. Und sie genießen diesen Abend ganz offenkundig, bedanken sich lautstark und garantiert nicht nur, weil klatschen und stampfen schön wärmt: Der Applaus ist ehrlich – und verdient. „Trampeln zu Beginn der Pause gab es noch nie“, sagt Wipfler erfreut.

Einfach sind die Bedingungen nicht: Wegen Corona darf das Theater seine Tribüne nicht voll auslasten, statt 400 durften nur knapp 200 Gäste zur Premiere. Am Eingang werden Impf- und Testnachweis geprüft. Das geht flott, aber nicht jeder hatte es leicht, an den Test zu kommen. Wipfler versucht, bei den nächsten Vorstellungen eine Testmöglichkeit vor Ort zu bekommen. Es herrscht Maskenpflicht auf allen Wegen und auf den Plätzen; ist aber eigentlich angenehm, denn die Dinger halten das Gesicht warm − das kann man bei diesen Temperaturen (drei Grad plus zu Beginn, am Ende grade mal noch ein Grad) ebenso brauchen wie Bewegung und etwas Heißes in der Pause.

Dem Zauber tut das keinen Abbruch – eher im Gegenteil: Mal leuchtet der Steinbruch in Rot, mystisch grün wird es für den Tanz der Bäume, winterlich-kalt in Blau oder Grau und der Prinz und sein Lehrer landen, realistisch klappernd, auf der Suche nach der unbekannten Schönen im Schneesturm. Das Märchen kennt jeder und doch gibt es die vielen liebevollen Details, die die Aufführungen im Theater im Steinbruch ausmachen, das kleine Augenzwinkern, das ein wenig Distanz hineinpackt.

Die Schauspieler gehen in ihren Rollen auf, setzen eigene Akzente. Ob das Aschenbrödels Tauben sind, der betulich-dauerbesorgte Hansi (Lutz Konkol) und seine unternehmungslustige Claudette (Rebecca Schneider) oder der eifrige, förmliche Lehrer Augustin (Johannes Wipfler), der seinen „Priiinz“ auf die Thronfolge vorbereiten soll – nicht nur sie sorgen für Leichtigkeit und immer wieder für Lacher.

Doch der Prinz (Michel Köllermann) hat erst mal null Bock auf das Regieren, will lieber jagen als heiraten, bis er auf Aschenbrödel (selbstbewusst und fröhlich: Helena Huber) trifft. Ohne Diener Vinzek (Justin Wilper) ginge gar nichts (auch musikalisch nicht); König (Etienne Pfundheller), Königin (Jasmin Baumgratz), Stiefmutter (Silvia Gschwendtner) und Stieftochter (Theresa Bähr) sind (fast) so wie man sie sich vorstellt und doch den entscheidenden Tick anders. Tanzende Bäume, die – sehr wandlungsfähig − auch als Gesinde und Heiratswillige auftreten, runden eine mitreißende und rundum gelungene Premiere ab, die einfach Spaß gemacht hat – und die die Kälte vergessen lässt.