Die Verwandlung des Mister Scrooge

Das Emmendinger Theater im Steinbruch spielt Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte

Diesmal ist alles anders: „Sonst fangen wir im Februar an zu proben und arbeiten uns in die warme Jahreszeit vor“, erzählt Regisseur Gunter Hauß. Doch ab Samstag gibt es auf der Bühne des Emmendinger Theaters im Steinbruch zum ersten Mal Freiluft-Theater im Winter: „Ich wüsste übrigens auch nicht, dass es so etwas schon einmal in der Region gegeben hat“, sagt Hauß. Die Idee hatten er und Regisseur Benedikt Bachert schon vor einigen Jahren. Beiden war klar, dass man für eine winterliche Aufführung aus Kostengründen kein komplett neues Bühnenbild anfertigen konnte, das bereits vorhandene vom Sommer musste reichen. Die Wahl fiel auf „Eine Weihnachtsgeschichte“, den Klassiker von Charles Dickens, bei dem sich das Leben des grantigen Geizkragens Ebenezer Scrooge in der Weihnacht durch vier Weihnachtsgeister grundlegend verändert.

Gewählt hat der Regisseur eine Bühnenfassung, die sich auf das Wesentliche beschränkt, die Spielzeit beträgt eindreiviertel Stunden. Natürlich sei der Stoff durch zahlreiche Inszenierungen und Verfilmungen wohlbekannt, so Hauß, doch es sei einfach eine der schönsten Weihnachtsgeschichten, die es gibt. „Und noch dazu eine, die eine Botschaft hat, die das ganze Jahr gültig ist. Gerade in der heutigen Zeit gibt es so viele Parallelen zu Scrooge“, erklärt er, während die Schauspieler im Dunkeln vor dem geheimnisvoll beleuchteten Steinbruch agieren. Elf Spieler schlüpfen, gekleidet in Kostüme aus dem 19. Jahrhundert, in 21 Rollen – darunter sind auch Jugendliche, die den jungen Scrooge verkörpern.

Mit den Proben angefangen haben sie bei 35 Grad im Herbst. „Im Sommer eine frierende Person zu spielen, war schwierig. Jetzt ist das schon realistischer und man sieht sogar unseren Atem“, sagt die junge Schauspielerin Helena Huber. Doch gerade für die Weihnachtsgeschichte sei das Spielen im Freien perfekt, es entstehe eine besondere Atmosphäre, die man künstlich nicht herstellen könne.

Eingedeckt mit einer warmen Decke dürfen sich die Zuschauer auf eine stimmungsvolle Inszenierung freuen, die schon mit dem Betreten des weihnachtlich beleuchteten Parks beginnt, wo man in der Pause auch Punsch und Glühwein trinken und weihnachtliche Leckereien genießen kann. Dank der Dunkelheit sind auch optische Überraschungen wie Videoprojektionen an der Felswand und bisher noch geheime technische Raffinessen möglich. „Es wird ein richtig schönes weihnachtliches Gesamterlebnis, eine Premiere der besonderen Art“, freut sich Gunter Hauß.