„Wir stehen sehr gut da“, sagt Wipfler. Auch weil 2002 Stadt und Sparkasse dem Verein entgegenkamen, weil es immer wieder größere Spenden gebe – und weil alles ehrenamtlich erfolge, nur die Regie erhalte eine kleine Entschädigung. Der Verein hat 459 Mitglieder; 2002 waren es 80, meist „Ehemalige“ der Volksbühne. Fast jeden Samstag ist Arbeitseinsatz auf dem Gelände; auch der Bühnenbau gehört dazu.
Aber: „Die Hauptarbeit wird auf der Bühne geleistet“, betont der Vorsitzende. Die Besucherzahlen haben sich fast verdoppelt: Kamen 2005 rund 5200 Besucher, so waren es 2019, im Jahr vor der Pandemie, mehr als 10.000. Der Grund? „Beide Ensembles bieten richtig gutes Amateurtheater.“ Dazu kamen neue Ideen: Nicht nur das Publikum nahm das Adventstheater im Freien begeistert an, auch andere Bühnen schauen gespannt auf das Winterprojekt, das in der Region ein Alleinstellungsmerkmal ist.
Es gab aber auch Schattenseiten
Der Erfolg hatte auch Schattenseiten. 2014 gab es Probleme mit Nachbarn, die von der sommerlichen Dauerbeschallung die Ohren voll hatten, zumal auch noch Konzerte im alten Steinbruch stattfanden. Das könnte eine weitere Einnahmequelle sein, der Verein erhalte regelmäßig Anfragen, sogar für Hochzeiten, erzählt Wipfler. Aber der Kompromiss damals sah vor, sich auf das Theaterspielen zu beschränken; und spätestens um 22 Uhr ist Schluss. Deswegen der frühe Beginn, deswegen wurden Premieren- und Dernière-Feiern ausgelagert.
Die Pandemie hat vieles ausgebremst, nicht aber die Theaterbegeisterung. Woran das liegt? Jasmin Baumgratz, Wipflers Stellvertreterin und im Erwachsenenstück der Franziskanerpater Lorenzo, macht es vor allem Spaß, Neues zu entdecken; ein Spaß, den sie mit dem Ensemble teile. „Ich mache jedes Jahr etwas, das ich noch nie gemacht habe“, erklärt sie – etwa das Fechten, die Rolle eines anderen Geschlechts oder musikalisch Neues.
Viele Helfer vor und hinter der Bühne
Rund 50 Menschen sind an jedem der 30 Sommer-Aufführungstermine im Einsatz, rechnet Wipfler vor; 45 Prozent auf der Bühne, alle anderen hinter den Kulissen als Techniker, Maskenbildner, Helfer bei der Bewirtung … Für jedes Talent gibt es eine Aufgabe, sei es die Choreografie auf der Bühne oder die Ordnung beim Arbeitsmaterial.
Es ist ein anspruchsvolles und beanspruchendes Hobby. Im Frühsommer gehören acht Wochen lang jeder Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag dem Theater; die Zeit für das Textlernen, den Kulissenbau und die wöchentlichen, auf den Premierentag hin für die Hauptdarsteller fast täglichen Proben noch nicht einmal mitgerechnet.
Wie geht es weiter?
Spielerisch wie bisher, hofft Wipfler, mit je einem Sommerstück für Kinder und Erwachsene und mindestens einem Winterstück. Aktuell darf das Theater mit voller Auslastung spielen, das bedeutet 416 Sitzplätze stehen wieder zur Verfügung.
Nur die Theaterzeitung fiel den steigenden Papierpreisen zum Opfer: „Ein reines Zuschussunternehmen können wir uns nicht leisten“, sagt Wipfler. Schließlich sollen die Seitentribünen saniert werden, außerdem liebäugelt der Verein mit einer Photovoltaikanlage auf der Haupttribüne. Und er sucht nach einem Raum für Nähstube und Garderobe.