Alles in Eigenregie
Vor der Sommerspielzeit gibt es im Amateurtheater im Steinbruch viel zu tun
In Emmendingen spielt das Amateurtheater im Steinbruch ab dem 16. Juni die Stücke „Die drei Musketiere“ nach Alexandre Dumas und „Timm Thaler“ nach James Krüss. Ein Besuch kurz vor Beginn der Sommerspielzeit.
Ruhig liegt der schöne Park vor der Freiluftbühne. Noch sind die Hütten geschlossen, welche der Bewirtung dienen. Requisiten aus früheren Stücken machen den Spaziergang auf dem schattigen Gelände zu einer Entdeckungstour: Ein Drachenkopf vom Stück „Der kleine Ritter Trenk“ (aus 2016) lugt zwischen grünem Buschwerk hervor, ein mannsgroßes Ziffernblatt aus „Momo“ (2017) lehnt an einer Wand.
Auf einer Leiter stehend zieht Bühnenmalerin Jutta Wefers, die ansonsten im Malsaal des Theaters Freiburg mitwirkt, hochkonzentriert mit ruhiger Pinselführung eine schattengraue Linie. Aus einer Plattenfläche wird das Relief einer Kalksteinmauer, wunderschöne Patina zaubert Atmosphäre. Simone Allweyer, die beim Kinderstück Regie führt, streicht derweil mit großer Rolle noch zwei Leinwände.
Wer zu den 100 Aktiven der rund 400 Vereinsmitglieder gehört, erfüllt im Lauf des Jahres viele Aufgaben. Jugendliche lernen, wie man mit dem Akkuschrauber umgeht oder bauen ihr Interesse für die Veranstaltungstechnik aus. Die dreiteilige Bühne haben neun Bauleute mit vielen Helfern errichtet – multifunktional natürlich: Was bei den Musketieren ein Käsegeschäft mit goldgelbem, selbst gefertigtem Bühnenkäse ist, verwandelt sich dank einiger Zusatzplatten mit detailreich gemalten Bullaugen bei „Timm Thaler“ in ein Dampfschiff. Damit die Rauchwolken bei den Aufführungen beeindruckend aus dem dicken Schiffsschornstein quellen, hat das Bauteam bei der Bühnenkonstruktion eigens ein Rohrsystem verlegt.
In der Nähstube bespricht Regisseurin Allweyer mit Karin Sulzberger die noch fehlenden Accessoires für „Timm Thaler“, der im Stück auf abenteuerlichen Wegen sein verkauftes Lachen zurückgewinnt. „Hier wird man erfinderisch“, kommentiert Sulzberger, die als Industriekauffrau ansonsten vor allem auf Englisch kommuniziert. Seit der Theatergründung im Jahr 2002 ist sie im Verein aktiv. Die typische Frühsommerstimmung ist ihr längst vertraut, wie sie lachend erzählt: „Die Anspannung wächst jetzt von Tag zu Tag, jeder verarbeitet das nach seinem Charakter. Aber nach der Premiere sind alle wieder normal.“
Gegen Abend bevölkert sich auch die Bühne. Nach und nach trudeln die Schauspieler ein, wärmen sich vor der noch leeren Zuschauertribüne in beeindruckenden Fechtduellen auf. „Die Jungs mussten ihre Haare und Bärte wachsen lassen“, erzählt Simone Allweyer und lacht. „Das steht den derben, verratzten Musketieren besser als Kunsthaar.“ Für die kampfreich inszenierten Abenteuer des jungen Bauernsohns D’Artagnan haben einige Darsteller zusätzlich ein Fechttraining absolviert.
Pünktlich beginnt die Probe. „Können wir Musik haben?“, ruft Regisseur Benedikt Bachert, der mit dem Theater im Steinbruch aufwuchs und 2015 seine Schauspielausbildung im Freiburger E-Werk abschloss. Bühnentechniker Michael Kraus, der von seinem Platz aus das ganze Geschehen überblickt, spielt den Sound zur ersten Kampfszene ein.
In den letzten Nächten vor der Premiere wird er mit Regisseur Bachert den Lichteinsatz der 45 Scheinwerfer planen. Sämtliche Musikstücke und Klänge haben diesmal Lena Lapschansky und Benjamin Riesterer vom Emmendinger Tonstudio „Tonpony“ produziert. Die Kostüme hat der Verein als Mitglied des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen in Ötigheim (Landkreis Rastatt) ausgeliehen.