Abenteuer im Reich der Erdmännchen

„Schön war’s“ – das war die einhellige Meinung der Gäste bei der Premiere des Kinderstücks „Kleiner König Kalle Wirsch“ am Sonntag im Theater im Steinbruch. Dabei siegen die Guten – und vor allem das Theaterteam auf ganzer Linie.

Sogar der Wettergott hatte ein Einsehen. Zwar drängten sich die meisten der rund 420 Gäste unter das Tribünendach, das sie gegen Regen geschützt hätte. Aber es regnete nicht. Dafür war’s trübe – eine perfekte Kulisse für eine Geschichte, die unter der Erde spielt. Zuerst betritt König Kalle Wirsch die Bühne – ein wirklich kleiner König. Souverän führt Belinda Grafmüller in die Unterwelt ein. Dann erobern die bösen Trumpe siegesgewiss die Bühne. Ihr Anführer Zoppo will König werden, er hat Kalle Wirsch zum Kampf herausgefordert. Aber Zoppo spielt nicht fair, er will seinen Kontrahenten nämlich daran hindern, pünktlich zu erscheinen – so würde er kampflos König. Und so warten allerhand Gemeinheiten auf den König der Erdmännchen. Die erste vereiteln die Menschenkinder Maxi und Jenni, weil sie den tönernen Gartenzwerg kaufen, in den der kleine König eingebacken ist. Damit nimmt das Abenteuer seinen Lauf.

Im Reich der Erdmännchen ist alles anders, so gibt es beispielsweise kein Licht, denn sie haben andere Augen als die Menschen, essen nur einmal im Jahr.

Annabella Borowski überzeugt als der ältere König, der sich bei aller Dynamik auch mal den Rücken massiert und ein Podest vorsichtig erklimmt. Gute Ideen hat er immer! Von Menschen und Menschenkram hält er wenig – obwohl grade eine menschliche Erfindung letztendlich die Rettung wird. Und wenn die neugierigen und hilfsbereiten Kinder Maxi (Luisa Elzner) und Jenny (Mira Rombach) unbedingt noch was angucken wollen, klingt Kalle wie genervte Eltern.

Er steht gewaltig unter Druck. Denn die Gegner sind mit allen Wassern gewaschen. Emma Muser ist ein richtig selbstherrlicher und dennoch ängstlicher Zoppo, „Spinne“ Emma Kottmeier hat immer wieder neue Bosheiten auf Lager und gießt nur zu gern und gekonnt Öl ins Feuer, und „Ratte“ Marla Seckinger assistiert bereitwillig. Wie gut, dass es die meist ganz unauffällige, aber schier allgegenwärtige Fledermaus gibt (Marie Schmidt), die König Wirsch warnt. Da soll er vom blinden Fährmann in den See gestoßen werden; Maja Kesselring spielt ihn ruhig, lässt aber die Verzweiflung durchscheinen, die ihn auf Zoppo hereinfallen ließ. Die Wächter der Rubinhöhle (Adrian Herb, Lasse Verheyden) handeln streng nach den Regeln, Echokugeln und der passende Widerhall aus dem Off sorgen für Verwirrung und ein verdrehter Wegweiser führt direkt zur Höhle des bösen Murrumesch (Laura Hösl, die in drei Rollen brilliert, etwa als Wörter sammelnder Kohle-Juke). Es wird gesungen und gedichtet, aber auch gekämpft.

Die Aufführung lebt von einer großen Liebe zum Detail. Da sind die Schatten, die ganz in Schwarz umherwuseln; die vier unterschiedlichen Völker, bei denen schon die Frisuren einen Extrablick wert sind und einheitliche Farben die Orientierung erleichtern, da ist das Spinnenkostüm inklusive künstlichem Riesenexemplar. Dann die Wrukas, deren Pupser zum allgemeinen Vergnügen Erdbeben und Vulkanausbrüche auslösen können. All das ist eingepackt in die entsprechende Akustik aus der Technik und in Andrea Gerholds kongeniale Choreografie. Die Musik von Melvin Busch liefert die richtige Stimmung; die Details im Bühnenbild sind das Tüpfelchen auf dem I.

Es gab immer wieder Szenenapplaus und am Schluss bebte die Tribüne schier unter dem begeisterten Beifall. Den haben sie sich verdient: Die Bühnenneulinge, von denen die Hälfte zum ersten Mal auf der Bühne stand und gleich in bis zu drei Völkern aktiv war, die Großen, die sie mitgezogen haben, und Regisseurin Silvia Gschwendtner mit ihrem Team, die auch psychologisches Einfühlungsvermögen aufbrachten, wie Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler sagte. Der Erfolg hat viele Eltern, die beim Schlussapplaus kaum Platz hatten auf der Bühne; dabei waren die bis zu 30 Bühnenbauer gar nicht dabei, die jedes Wochenende auf dem Gelände arbeiten.