Wie Wohltäter Robin Hood seiner Marian in Emmendingen auf den Leim geht

Robin Hood, der Held, der den Armen hilft und die Reichen zittern lässt – so ist die Geschichte den meisten in Erinnerung. Aber war es wirklich so? Das Kinder- und Jugendensemble des Theaters im Steinbruch gibt ab Sonntag, 19. Juni, eine witzige Antwort drauf.

„Es ist das klassische Motiv, aber Autor Ulrich Zaum hat ein liebevolles Kinderstück draus gemacht“, sagt Regisseurin Silvia Gschwendtner. Die Sprache ist von heute, Wort- und Szenenwitz sorgen dafür, dass auch Erwachsene ihren Spaß haben. Und ja, vieles ist ein bisschen anders: Robin ist schon ein wenig überheblich, Marian will in seine Bande aufgenommen werden, aber sie muss ja noch so viel lernen. Also gibt Robin Unterricht in Räuberknigge; außerdem gibt es die fechtende Damenwelt und einen muffelig-bequemen Bären mit Spürnase, nicht zu vergessen diese fiesen Intrigen von der Sheriff-Seite und den absoluten Top-Killer – wer weiß, was passiert wäre, wäre da nicht Marian. Aber so gibt es in dem für Kinder ab sechs Jahren geeigneten Abenteuerstück ein Happyend.

Das Stück hätte bereits 2020 gespielt werden sollen, die Leseproben hatten begonnen, der Hüttenaufenthalt zum Kennenlernen war auch noch möglich – und tags drauf begann der Corona-Lockdown. Der lange Vorlauf brachte keinen Vorteil, im Gegenteil: „Wir merken, dass Corona etwas mit den Kindern gemacht hat, sie waren psychisch angegriffen, hatten Disziplin- und Strukturprobleme, kamen zu spät, konnten den Text nicht und empfanden vieles als Druck“, erklärt Gschwendtner. Einer Jugendversammlung und vielen Gesprächen folgten etliche Umbesetzungen, die letzte vor vier Wochen. Von den 18 Akteuren, 13 Darstellerinnen und fünf Darsteller, sind acht neu dabei, drei davon haben allerdings viel Theatererfahrung (die Altersspanne reicht diesmal von zwölf bis 30 Jahren) und sind nun eingesprungen, so wie Johannes Wipfler, der den Robin Hood spielt. „Seither läuft es“, sagt Gschwendtner zufrieden, „die Kinder sind sehr motiviert.“

Es wird täglich geprobt in den Pfingstferien. „Wir leben das Theater“, sagt Gschwendtner. Die selbstständige Logopädin hat sich für diese intensive Zeit zwei Wochen Urlaub genommen. Was ihr an ihrer Aufgabe so gefällt? „Die Spielfreude der Kids, wie die sich reinschmeißen. Gerade bei Neulingen sieht man gut, wie sie damit wachsen, das macht Spaß.“ Die Kinder kommen auch mit eigenen Ideen, denken ihre Rollen mit, räumen die Requisiten für den nächsten Durchgang zurecht, erzählt sie. Und wenn der Rap erstmals klappt, ist die Begeisterung groß. Überhaupt ist die Stimmung gut bei der Probe. Dazu trägt auch die Musik bei.

Ja, Gesang, Tanz sind dieses Mal wieder möglich – und Kämpfe. „Ich habe noch nie eine Gruppe so schnell einen Kampf lernen sehen“, lobt Benedikt Bachert das Ensemble. Aam Schluss hat fast jede und jeder einen Degen in der Hand. Der gilt theatertechnisch nicht als Waffe, erklärt Gschwendtner; das habe der Sicherheitsbeauftragte des Theaters mit dem Landesverband abgeklärt. Deswegen dürfen auch die Jüngeren mitfechten. Sie tun es mit Bravour. Bachert hat aber noch ein paar Tipps, etwa, wie die Reaktionen der Angegriffenen ausfallen sollten: „Ich weiß ja nicht, was da kommt“, verdeutlicht er deren Lage. Eigentlich, denn in Wirklichkeit läuft alles streng nach der Choreografie ab, die Bachert zusammen mit Lorenz Allweyer macht.

So ein Stück braucht viele helfende Hände: „Wir sind total abhängig von den Leuten im Hintergrund“, sagt Gschwendtner. Davon könnte der Verein mehr brauchen: „Wir freuen uns über Leute, die Lust haben mitzumachen.“