Grimm-Klassiker mit starken Charakteren
Premiere des Kinderstücks „Dornröschen“ im Theater im Steinbruch
Das Theater im Steinbruch am vergangenen Sonntag. Auf der Tribüne fächern sich die Zuschauer die Schweißperlen von der Stirn. Unten auf der Freilichtbühne schwitzen 19 Kinder und Jugendliche in ihren Kostümen. Zwei Stunden lang vollbringt das Ensemble schauspielerische Höchstleistungen.
Beim 38 Grad fand im Theater im Steinbruch am Sonntag vor einer Woche die Premiere des Kinderstücks „Dornröschen – Verflixt und zugeheckt“ statt. Trotz der Temperaturen erlebten 300 Zuschauer eine unterhaltsame und kurzweilige Inszenierung des Märchens der Gebrüder Grimm. Dies lag vor allem an den Charakteren. Als Zuschauer – egal ob jung oder erwachsen – wurde man sofort eins mit ihnen. So zum Beispiel mit Balduin (Cornelis Huber), der als Tausendsassa irgendwie an den königlichen Hof gerät, der von Kopfschmerzen geplagten Königin (Milena Leonhardt) zur Schwangerschaft verhilft und Küchenchef wird. Gleichzeit fungiert er im ersten Teil als Erzähler. Derweil prägen skurrile Figuren den Alltag am Schloss – darunter ein übereifriger Hauptmann (Michel Köllermann), ein tollpatschig versnobter König (Kiran Kostka), ein reimendes Froschehepaar (Giulia Würzberger und Emma Kottmeier) sowie ein alles nachplappernder Minister (Filiz Geiger).
Nachdem die böse Fee Stacheline (Josephine Blust) ihren Fluch ausspricht, Prinzessin Röschen (Jule Carl) sich am Spindelrad sticht und das ganze Schloss in einen 100jährigen Schlaf fällt, übernimmt Fee Floralia (Pia Bührer) die Rolle der Erzählerin. Sie berichtet dem jungen Prinzen Heinrich vom Blumenland (Niklas Knauff) von dem verwunschenen Mädchen. Mit goldener Eisenherzfrisur und zwei Gefährten begibt sich dieser auf die Odyssee zum zugewachsenen Schloss. Weil er sich als Pirat ausgibt, kann er Stacheline den Zauberspruch entlocken und den Fluch bannen. Das Finale soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
In ihrer Inszenierung hält sich Isabelle Steinbrich weitgehend an das Original der Gebrüder Grimm. So können auch ganz junge Besucher dem Stück bestens folgen. Nur wer genauer hinsieht, erkennt kleine Gimmicks – darunter das doppelte Fröschlein, das kollektive Tragen von Filzpantoffeln oder der herzergreifende Song, der am Schluss erklingt. Für Familien lohnt sich der Besuch. Geeignet ist das Stück für Kinder ab fünf Jahren. Noch gibt es Tickets für alle Vorstellungen. Die genauen Termine stehen auf der Homepage des Vereins. Die elf- bis 18-jährigen Schauspieler jedenfalls sind topfit. Während der Pfingstferien hatten sie intensiv geprobt. In der Hitze haben sie den Härtetest mehr als bestanden.