Mit viel Komik und Spielfreude
Die Premiere von Dornröschen im Theater am Steinbruch geriet trotz Hitze zum großen Erfolg.
Alle stöhnen unter den hohen Temperaturen. Die Premierenzuschauer der Aufführung „Dornröschen – Verflixt und zugeheckt“ sitzen schattig und vor der Sonne geschützt. Das knapp 20 junge Schauspieler umfassende Ensemble aber ist im Steinbruchtheater gnadenlos der Hitze ausgesetzt. Trotzdem bringen alle eine grandiose Leistung, das Publikum ist begeistert.
Der König (im roten Pelzumhang: Kiran Kostka) verspricht dem superschlauen Froschpaar (entzückend gespielt von Emma Kottmeier und Giulia Würzberger): „Wenn du uns gute Nachrichten gibst, will ich extra einen königlichen Hoffliegenfänger einstellen“ Die Zwei können in die Zukunft blicken und wissen: So geht es nicht weiter. Des Königs Hofstaat huscht leise auf Filzpantoffeln durchs Schloss. Die Königin hat Kopfschmerzen. Sie ist krank, das Herz bricht ihr vor Verzweiflung, sie weint weil sie sich ein liebes, kleines Kind wünscht, aber ihr Wunsch nicht in Erfüllung ging.
Natürlich kennen alle die Geschichte von Dornröschen. Hier auf der Bühne wird sie ideenreich mit viel Komik und Spielfreude vom jungen Ensemble aufgeführt. Kinder aller Altersgruppen sitzen im Publikum und fiebern dem Happy End entgegen. Es beginnt mit dem gutgelaunten Tausendsassa Balduin (großartig Cornelis Huber): „Ich? Ich bin fast ein Genie, Ich kann alles, fragt nicht, wie! Ich beherrsche einfach alles, und man bedient sich jeden Falles meiner großen Meisterschaft, denn mein Geschick ist fabelhaft!“ Er hat Hunger, will einen Job im Schloss und bekommt ihn auch.
Einige schwungvoll gespielte Abenteuer später: „Nanu, hier sind ja so viele Kinder?“ Balduin ist jetzt Oberhofküchenmeister. Dass er wahnsinnig viel zu tun hat, sagt er. Sein Küchenhilfe Peter, der liederlichste aller Lauselümmel, soll ihm helfen, dieser Schlingel. Schimpfend zeigt Balduin ins Publikum: „Aha, ich weiß schon, er hat sich bestimmt versteckt und sitzt nun hier irgendwo unter euch! Da, da, da ist er! Komm mit in die Küche!“ Die Kinder auf den Zuschauerbänken lachen über Balduin, der sich wohl besser eine Brille anschaffen sollte. Er zeigt auf ein Kind: „Nein. Du bist nicht der Peter? Dann bist du es, natürlich bist du der Peter. Ach nööö! Du bist ja ein Mädchen!“ Nun erklärt er, warum er so durcheinander im Kopf ist und zornig: „Also Kinder, ihr müsst nicht böse mit mir sein, es ist was los bei uns im Schloss, das kann ich euch sagen. Ich muss doch das große Hochzeitsessen vorbereiten“. Er erzählt die Geschichte von Dornröschen und wie das alles geschehen ist mit der bösen Fee und dem hundertjährigen Schlaf und wie Dornröschen sich in den Finger gestochen hat. Es gibt einige Abenteuer zu bestehen, denn die fiese Fee Stacheline (Josephine Blust) hält mit ihrem Zauberspruch Dornröschen und den ganzen Königshof hinter einer riesenhohen Dornenhecke gefangen. Besonders gemein, alle müssen jämmerlich verhungern, wenn sie nach hundert Jahren wieder aufgewacht sind und nicht heraus können. Gottseidank naht die Rettung in Gestalt von Prinz Heinrich vom Blumenland (Niklas Knauff). Auch die kleinsten Zuschauer fiebern mit, wenn Heinrich, der mit Hofmarschall Bitterlich (herrlich naiv: Nicolai Jessen) und dem Eselchen Langohr (Leoni Seidl) auf seiner beschwerlichen Reise im tiefen Wald mahnt: „Pst! Seid still! Hört ihr nichts, ist da nicht jemand?“ „Doch, ich bin hier!“ ruft ein Kind ganz aufgeregt und laut vernehmbar von der Zuschauerbank.
Mika (9 Jahre) und Colin (10) aus Kehl sitzen bereits eine Stunde vor Beginn der Vorstellung auf ihren Bänken. Sie passen ganz genau auf: „Auf dem Löffel von Peter, dem Küchenjungen, ist echte Marmelade“. Mika stellt fest, dass die schwarzen Handschuhe, die Hofmarschall Bitterlich festhalten, später im offenen Schrank liegen. Besonders gefallen ihm die Zaubertöne, die die gute Fee Floralia (Pia Bührer) erzeugt. Endlich naht das Happy End, als Prinz Heinrich in Dornröschens (Jule Carl) Gemach tritt: „Da ist die Prinzessin. Sie hört mich nicht! Ob ich es wage, ihr einen Kuss zu geben?!“ Natürlich wagt er, sonst wäre die Geschichte ja doof. Dornröschen schlägt die Augen auf, beginnt sich zu bewegen, liebliche Musik ertönt.
Regisseurin Isabell Steinbrich verstand es, die Rollen grandios zu besetzen. Was wäre Emmendingen mit seiner Freiluftbühne ohne den Verein „Theater im Steinbruch“ und die Helfer? Auch ihnen gebührt Anerkennung.