„Mr. Scrooge“ lässt Experiment gelingen

Theater im Steinbruch zeigt in diesem Winter erstmals ein Stück unter freiem Himmel

Seit 16 Jahren gibt es das Theater im Steinbruch. Bisher war die Freilichtbühne im Winter geschlossen. Nicht so in diesem Jahr. Mit „Fröhliche Weihnachten, Mister Scrooge!“ führt der Verein derzeit ein Stück unter freiem Himmel auf – und das mit riesigem Erfolg.

Bei der Premiere am Samstagabend war die Vorstellung restlos ausverkauft. Bei acht Grad, leichtem Wind und einem kurzen Nieselregen machten es sich 320 Zuschauer auf der Sitzplatztribüne mit Fleecedecken und heißem Glühwein gemütlich. Als die Darbietung um kurz nach halb sechs mit Turmuhrenschlag von Big Ben eingeläutet wurde, war jeder Gedanke an die Kälte vergessen.

Dies lag zum einen am Stück selbst. Mit „Fröhliche Weihnachten, Mister Scrooge!“ von Charles Dickens hatte Regisseur Gunter Hauß ein Werk ausgesucht, das die Vorfreude auf das bald beginnende Fest wahrlich weckte. Das zweistündige Stück erzählte die Geschichte des verbitterten, aber steinreichen Geizhalses Ebenezer Scrooge, für den Weihnachten „nichts als Humbug“ ist. Mit den Geistern seines vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnachten konfrontiert, entwickelt er sich nach und nach zu einem Wohltäter, der plötzlich wieder Freude am Leben hat.

Wärme entfachte zum anderen das elfköpfige Ensemble des Theaters im Steinbruch mit seiner schauspielerischen Klasse. Vor allem Etienne Pfundheller, der sein Hauptrollen-Comeback gab, wurde eins mit „Mr. Scrooge“. Mit authentischem Haarkranz, Buckel, schwerfälligem Gang und unglaublich grimmigem Blick raunzte er anfangs nur so um sich. Je mehr die Geister ihm jedoch den Spiegel vorhielten, desto mehr lebte er auf. Am Ende wirbelte „Mr. Scrooge“ lachend mit Stock und Hut über die Treppenstufen und eroberte nicht nur die Herzen der Figuren im Stück, sondern auch des Publikums im Steinbruch.

Interessant: Nahezu alle Schauspieler spielten mehrere Rollen. Bestnoten verdienten sich Johannes Wipfler als Peter-Pan-ähnlicher „Geist der vergangenen Weihnacht“, Juliana Bachert als zauberhafter „Geist der gegenwärtigen Weihnacht“ und Franzi Bosch als erst weinerliche und dann sprachlose Caroline Wilkins. Über allem schwebte ein feiner englischer Unterton. Überzeugend war auch die Kombination aus Hauptbühne und den beiden flankierenden Nebenschauplätzen. Zu einem „Aha“ führten außerdem die Lichtprojektionen an die Steinbruchwand. Im Sommer wäre dieses Gimmick in dieser Form nicht möglich. Bekanntlich darf wegen der Anwohner nur bis maximal 22 Uhr gespielt werden.

„Das Experiment ist gelungen“, fasste der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Wipfler nach der Vorstellung zusammen. „Als Gunter Hauß nach dem Sommer wegen eines Weihnachtsstücks unter freiem Himmel auf mich zukam, habe ich erstmal gestutzt“, fügte er an. In Süddeutschland habe es so etwas noch nie gegeben. Nun seien sowohl die Premiere als auch die vier weiteren Vorstellungen im Vorfeld ausverkauft. Das Stück werde von der Regie und den Schauspielern wunderbar umgesetzt. „Und es weckt wirklich die Freude auf Weihnachten“, so Wipfler.