Fast schon ein Zweitberuf
Das Theater am Steinbruch blickt auf eine außergewöhnlich gute Sommersaison zurück und plant ein Weihnachtsstück – draußen!
Das gab’s noch nie: Das Theater im Steinbruch plant für das zweite und dritte Dezemberwochenende je zwei Aufführungen von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte – im Steinbruch! Auch die Sommersaison 2018 lief einmalig: 9300 Karten und damit rund 1000 mehr als im Vorjahr wurden in den sieben Wochen Spielzeit verkauft, so die erste Bilanz.
„Das Wetter hat uns natürlich in die Karten gespielt, wir waren recht früh über das Ticketsystem ausverkauft“, sagt Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler. Aber das war’s nicht allein: „Die Stücke haben den Leuten was gesagt, das Erwachsenen- vielleicht noch mehr als das Kinderstück“, ergänzt seine Stellvertreterin Jasmin Baumgratz. Vor allem „Die drei Musketiere“ haben gezogen, aber auch Timm Thaler sei angekommen. „Und wir haben viele Stammkunden.“
Das hat sich das Team hart erarbeitet. „Wir haben uns einen sehr guten Namen gemacht, sind vom guten zum Spitzen-Laientheater geworden“, sagt Wipfler. Spätestens nach der Premiere setzte die Mund-zu-Mund-Propaganda ein. All das führte dazu, dass in den Vorverkaufsstellen bei ihm im Geschäft bald keine Karten mehr zu haben waren – und das können viele Leute nicht verstehen, berichtet er.
Das Einzugsgebiet des Theaters im Steinbruch reiche mittlerweile von der Schweizer Grenze bis nach Offenburg, vom Kaiserstuhl über das Elztal bis St. Peter und St. Märgen. Besucher kommen aber auch über Kontakte zu anderen Bühnen, deren Mitglieder die Emmendinger besuchen und die im Gegenzug auch von Mitgliedern des Theaters im Steinbruch besucht werden. Das macht Spaß – und gibt spannende Rückmeldungen zu Spiel und Stücken, sagen die beiden.
Der Andrang macht viel Arbeit. Pro Vorstellung werden an die 50 Personen benötigt – vor und hinter den Kulissen. Selbst das Team im Bewirtungspavillon hat seine eigene Bühne, wie es Wipfler formuliert. Sie haben Spaß an der Sache – ohne das ginge es auch gar nicht bei 28 Vorstellungen in dieser Saison. Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag… „Am letzten Abend waren wir nach dem Aufräumen froh, dass alles fertig ist“, sagt Wipfler und fügt hinzu: „Die Schauspieler würden gern weiterspielen.“
Und das werden sie – am zweiten und dritten Adventswochenende. Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte auf der Freilichtbühne in Emmendingen – das gab’s noch nie. Wipfler hatte das Projekt zum Saisonende angekündigt – und hätte „gefühlt gleich 50 Karten verkaufen können“. Klar, das Wetter sollte mitspielen – es darf gern klirrend kalt sein, aber nicht zu nass – aber der Park bietet so viele Möglichkeiten, mehr als nur Glühweinverkauf. Und gegen Kälte gibt’s schließlich Decken und warme Klamotten. Die Stückidee geistere schon länger durch den Verein, sagt Baumgartz; Gunter Hauß und Benedikt Bachert haben schon mal mit dem Gedanken gespielt. Und in diesem Jahr passt das Sommer-Bühnenbild perfekt, „wir haben alles, was wir brauchen.“ Ein bisschen ist die Idee auch der Raumnot geschuldet: Wo spielen und, noch schwieriger, weil so oft, proben? ergänzt Wipfler. Und der Steinbruch im Winter – das sei eine völlig andere Bühne.
Andere Vereine klagen darüber, dass ihnen die Helfer ausgehen. Beim Theater im Steinbruch ist das anders, beim ersten Aufruf meldeten sich gleich mehr Schauspieler als benötigt, aus beiden Ensembles – denn für die Weihnachtsgeschichte werden alte wie junge Menschen gebraucht. „Das verbindet beide Ensembles“, freut sich Baumgratz.
Trotzdem – wie hält man sie bei der Stange? „Vorbild sein, da sein, mitmachen“, sagt Wipfler. Und auch mal Danke sagen: An die Regie und die Ensembles, die stunden- und tagelang geprobt haben; an die vielen Helfer: „Der Aufwand hintendran wird oft gar nicht gesehen – und ist fast grenzwertig, fast ein Zweitberuf.“ Der dann mit den Sommerstücken 2019 weitergeht. Mit welchen? Das wissen die beiden an der Spitze noch nicht, der Spielbeirat wird das nach den Sommerferien beraten und entscheiden. „Wir sind ein sehr demokratischer Verein“, sagt Wipfler. „Deswegen findet jeder bei uns seinen Platz, etwas, das ihm Spaß macht“, ergänzt Baumgratz, „vielleicht ist das der Schlüssel zur Motivation.“
Der zu funktionieren scheint: Das Theater im Steinbruch hat mehr als 400 Mitglieder. Und wer mal beruflich oder familiär pausieren müsse, komme danach meist wieder.