Auf der Maja-Bühne feiert eine Bühnenadaption des Hitchcock-Klassikers „39 Stufen“ Premiere
Am Samstagabend war vor ausverkauftem Haus auf der Maja-Bühne die Premiere von „Alfred Hitchock‘s Die 39 Stufen“, dem diesjährigen Winterstück des Theaters im Steinbruch. Unter der Regie von Simone Allweyer gelingt es dem Theater, wohl ihr dramaturgisch schwierigstes Stück auf die Bühne zu bringen. Klamauk und actionreicher Verfolgungsthriller geben sich hier die Hand. Der schottische Schriftsteller John Buchan schrieb dieses Buch 1915 und verlegte diese Verschwörungs- und Mordgeschichte um den gelangweilten Lebemann Richard Hannay, der durch Zufall in eine Spionageaffäre verwickelt wird, zunächst nach London, um sie in Schottland enden zu lassen. Zwanzig Jahre später verfilmte Alfred Hitchcock diesen Romanstoff und machte daraus einen temporeichen Verfolgungsthriller mit einem guten Schuss Humor. Endgültig zur Farce wurde dieser Stoff durch die Bühnenadaption von Patrick Barlow, die 2005 in England uraufgeführt wurde und zahlreiche Preise erhielt.
Besonderer Clou dieser Bühnenfassung der 39 Stufen war, dass sämtliche Rollen durch vier Schauspieler belegt werden mit minimalstem Aufwand an Requisiten. So muss etwa ein Bilderrahmen ausreichen, um als Fenster zu dienen. Zwei Kisten hintereinander und ein Lenkrad muss als Auto herhalten. Dem Theater im Steinbruch gelingt diese Bühnenadaption mit vier Schauspielern bravourös. Lediglich die Rolle von Richard Hannay bleibt durch den wunderbaren Michael Schäfer konstant von einer Person besetzt. Jasmin Baumgratz übernimmt überzeugend gleich drei Frauenrollen: Annabella Schmidt, die in Richard Hannays Wohnung mit einem Messer ermordet wird, Pamela, die Hannay unterwegs auf der Flucht trifft sowie Margaret, deren Ehemann und sie auf Hannays Flucht kurzfristig Unterschlupf gewährt. Die restlichen Rollen, männliche wie weibliche, teilen sich unnachahmlich Hans Bürkin und Gunter Hauß: Agenten, Polizisten, Milchmann, Putzfrau, Hotelbesitzerehepaar, bis hin zu dem sogenannten Mister Memory, hier verkörpert von Hans Bürkin, der als lebendiges Lexikon in einer Londoner Show auch die schwierigsten Fragen des Publikums beantworten kann. Und damit beginnt auch diese actionreiche Komödie.
Nicht nur überzeugt diese Minimalbesetzung – vier Schauspieler für etwa 40 Rollen, sondern auch Backstage wird hart gearbeitet. Barbara und Karin Seyfarth sorgen dafür, dass jedes Requisit zur rechten Zeit eingesetzt wird, während Pascal Jessen und Roland Seidl als Geräuschemacher für die akustischen Effekte verantwortlich sind. Es dauerte zwar ein wenig, um in das Theaterstück hineinzufinden, doch dann entfaltet es doch eine ungemeine Sogwirkung.
Das Theaterstück ist spannend und hält auch diese Spannung bis zum Ende hin aufrecht. Schafft es Richard Hannay, zu beweisen, dass er nicht der Mörder ist? Er ist vorher während der Show um Mister Memory von der glamourösen Annabella gewarnt worden, dass er Mitwisser einer Verschwörung sei. Sie überredet ihn, sie in seinem Zimmer mitzunehmen. Und dann liegt sie auch schon am anderen Morgen tot dort mit einem Messer im Rücken. So bleibt dem Londoner Snob, wohlanständig gekleidet und offensichtlich gutaussehend, nur die Flucht. Es zieht ihn nach Schottland zu einer kleinen Provinzstadt, um selbst den Mordfall aufzuklären und seine Unschuld zu beweisen. Die Leiche wird gefunden und es dauert nicht lange, bis es schwarz auf weiß in der Tageszeitung großaufgemacht steht. Er hofft, nicht erkannt zu werden. Doch im Zug fangen schon die Probleme an. Er sitzt im Abteil und wird unfreiwillig in ein Gespräch verwickelt, dabei gilt doch sein Interesse nur der Tageszeitung, was dort über ihn berichtet wird. Er schafft es, in ein anderes Abteil zu gehen, in dem er einer attraktiven Dame namens Pamela begegnet. Mittlerweile ist auch die Polizei im Zug. Als die Polizei auch dieses Abteil durchsuchen will, stürzt er sich auf die Dame und küsst sie, so dass es so aussieht, als seien sie ein Pärchen. Die Polizisten gehen weiter. Nur kurz wird ihnen dieses „Glück“ gewährt, als sie sich ihm loswindet und aus dem Abteil geht, um dann doch die Polizei zu rufen.
Gelingt ihm die erneute Flucht? Kann er als gesuchter Mörder diesen Fall aufklären? Und kann er schließlich herausfinden, was hinter den 39 Stufen steht? Antworten darauf gibt es leider nur noch in einer Zusatzvorstellung.