„Der Baron von Münchhausen” in Emmendingen
Das Wetter meinte es nicht gut, als „Der Baron von Münchhausen” am Samstag, 18. Juni, im Theater im Steinbruch Emmendingen Premiere feierte. Es regnete zunächst in Strömen, was den Zuschauern auf der überdachten Tribüne nicht viel ausmachte. Dass die Akteure trotz dieser Wetter-Widrigkeiten zu Höchstform aufliefen, verdient großen Applaus. Chapeau!
Am Telefon hatte mir der Veranstalter noch versichert, dass in Emmendingen eitel Sonnenschein herrschen würde, als wir jedoch dorthin unterwegs waren, wurde der Himmel mit jedem gefahrenen Kilometer dunkler und der Regen setzte ein. Als es dann noch schwierig wurde, das Theater am Steinbruch überhaupt zu finden, befürchtete ich schon, wir müssten unverrichteter Dinge wieder den Heimweg antreten. Endlich kam ein winziges Hinweisschild in Sicht und wir fanden das versteckte Kleinod und danach auch noch unsere Plätze auf der vollbesetzten Tribüne. Das Stück hatte noch nicht begonnen, denn einige Helfer vollführten auf der Bühne einen Besentanz, um die Bretter, die die Welt bedeuten, vom Wasser zu befreien.
Was sich dann ereignete, war eine der schönsten Überraschungen, die mir im Theater je zuteil wurde. Dem Regen zum Trotz, mit stoischer Haltung und viel Herzblut bewiesen die Darsteller ihr Schauspiel-Talent. Das Stück, ein sentimentaler Rückblick des alten Baron von Münchhausen auf sein turbulentes Leben, beginnt zunächst in Russland, wo Münchhausen von Katharina der Großen den Auftrag bekommt, eine Mörderin zu stellen. Die Jagd nach der Verbrecherin führt ihn zunächst nach Venedig, dann über Paris an den Bosporus. Dabei kreuzen einige Berühmtheiten aus der Zeit des Rokoko seinen Weg, darunter Giacomo Casanova, die Marquise de Pompadour und der undurchsichtige Graf Cagliostro. Seine ständigen Begleiter sind Arlequino, Colombina und der Dottore, die klassischen Figuren der Commedia dell’arte.
Das Stück, erdacht von Clemens Allweyer, und in der Regie von seiner Frau Simone umgesetzt, ist ein farbenfrohes Zeitbild des 18. Jahrhunderts, voll spritziger Dialoge, turbulenter Fechtszenen und Tänze, das den Zuschauer in eine wundersame Phantasiewelt entführt. Bemerkenswert ist auch das Zusammenspiel zwischen dem Bühnengeschehen und einer Video-Wand, die dem alten Baron von Münchhausen zum Rückblick auf sein Leben diente. Vor dem stimmungsvollen Hintergrund des Steinbruchs ein unvergessliches Erlebnis, das die Fahrt nach Emmendingen wirklich lohnt. Bis zum 6. August wird der „Baron von Münchhausen” noch an den Wochenenden und mitunter auch mittwochs dort zu sehen sein. Ein Stück, bei dem Jung und Alt gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Wer auf der Suche nach „Wohlfühl-Theater” ist, dem sei „Münchhausen” unbedingt ans Herz gelegt.