Vom Findelkind zum Dschungelherrscher
Am Sonntagnachmittag fand im Theater im Steinbruch die Premiere des Kinderstücks statt
Am Sonntag platzte das Theater im Steinbruch wieder einmal aus allen Nähten. Der Grund war die Premiere des diesjährigen Kinderstücks. Bei herrlichem Wetter belagerten die Familien nicht nur die neue Tribüne und die beiden Seitenflügel, sondern hockten sich auch noch auf die Treppenstufen. Welch tolles Gefühl muss es für einen jungen Schauspieler sein, vor einer solchen Kulisse aufzutreten.
Mit dem „Dschungelbuch“ suchte Regisseur Benedikt Bachert für seine 37-köpfige Rasselbande diesmal einen Klassiker aus. Das Stück erzählt die Geschichte vom Findelkind „Mowgli“. Von Wölfen aufgezogen ist er anfangs noch naiv und verspielt. Baloo der Bär und Bagheera der Panther erkennen jedoch seine besondere Auffassungsgabe. Nach und nach weisen sie ihn in die Gesetze des Dschungels ein. Doch Gefahren lauern überall. Mal gibt sich Mowgli dem hedonistischen Lebensstil der Affen hin, mal erliegt er der Hypnose der Schlange Kaa. Außerdem ist da noch Shere Khan, der das Menschenkind ständig verfolgt und als seine Beute betrachtet.
Das Bühnenbild ist ausgeklügelt. Das im Erwachsenenstück als zweistöckiges Gebäude dienende Haus ist im Dschungelbuch über und über mit gift- und grasgrünen Lianen bedeckt. Dazwischen liegt noch eine dritte Ebene. Hinter dem Gestrüpp lugen Götzenbilder hervor. Davor steht ein großer Hinkelstein. Ein Setting, das eins mit dem natürlichen Hintergrund des Theaters wird und sehr, sehr viel Bewegung ermöglicht.
Und dies wird von den Schauspielern genutzt. Vor allem Nicolai Jessen als Mowgli vollzieht authentisch die Entwicklung von kindlicher Naivität zum verantwortungsvollen Herrscher des Dschungels. Die Rollen Bagheera (Larissa Göppert) und Shere Khan (Felicia Hess) werden beide von grazilen Frauen gespielt. Deren Ästhetik steht im lebendigen Kontrast zur sympathischen Tollpatschigkeit von Baloo (Johannes Wipfler). Einen Kunstgriff leistete sich der Regisseur bei Kaa (Lea Ade und Antonia Arendse). Durch die doppelte Besetzung taucht die Schlange ständig überall auf. Was noch auffällt, ist die durchgängig energische Sprache, mit der die Tiere untereinander kommunizieren. Dies könnte Absicht sein, um das raue Dschungelleben mehr zum Ausdruck zu bringen. Dazwischen sorgen Songs für die großen Gefühle.
Sowohl den faszinierten Augen der Kinder als auch den gebannten Gesichtern der Erwachsenen war am Sonntag abzulesen, dass man dieses Stück auf keinen Fall verpassen sollte. Man erlebt hier zwei Welten. Zum einen natürlich das Stück an sich. Zum anderen die Welt von jungen Menschen, die das Theater im Steinbruch leben und dabei sehr viel lernen. Kompliment, Herr Bachert!