Sommermusical unter freiem Himmel
Die temporeiche Komödie „Die Dame vom Maxim“ hat am Samstag im Theater im Steinbruch Premiere – ein Probenbesuch
„Diese Übertreibung, die ihr jetzt habt, die müsst ihr beibehalten – die ganze Zeit!“ Regisseurin Simone Allweyer ist anspruchsvoll. Kein Wunder, sie hat nur noch eine Probe bis zur Premiere der „Dame vom Maxim“ im Theater im Steinbruch. Die Komödie von Georges Feydeau spielte in Pariser Salons der Jahrhundertwende – Allweyers Version der aberwitzigen, temporeichen Verwechslungsgeschichte macht ein kleines Sommermusical unter freiem Himmel daraus. Was bei den Aufführungen spritzig-leicht und flott daherkommen soll, erfordert erst mal harte Arbeit, und das seit November; da begann das Theatertraining. Im Februar wurden die Rollen verteilt und die Schauspieler haben passende „Ticks“ für ihre Bühnenidentität entwickelt und eine Biografie dazu. Seit dem Probenwochenende im März steht das alles, seither wurde dreimal pro Woche geprobt – seit Anfang Juni beinahe täglich!
Die Regisseurin flitzt über den Rasen, zeigt dem Freund des Hauses, wie er den Vorhang zuhalten oder sich auf der Couch lümmeln soll. „Lutz, du musst ganz gechillt sein – dein Freund kriegt eins auf die Hucke und du guckst zu, das ist doch schön!“ ruft sie oder fordert ihn auf, der schönen Tänzerin „hinterherzugeiern“, die dem biederen Arzt da so unverhofft ins Haus geschneit kam.
Mit ihrer plastischen Sprache oder der schlichten Demonstration dessen, was sein soll, erreicht sie schnell das gewünschte Ziel. Oder sie erinnert an den Hintergrund einer Szene: „Warum gehst du rüber?“ fragt sie Jasmin Baumgratz, die die Tänzerin spielt. „Damit ich mich ihm nochmals zeige“, antwortet die und damit ist auch klar, dass sich das gut sichtbar abspielen muss und wird. Sichthindernisse, seien es nun andere Schauspieler oder der skurrile Ekstasestuhl, müssen von den Schauspielern umgangen werden. „Ihr müsst lauter sprechen“, das ist ein Daueranliegen der Regisseurin. Denn hinein in das „Geschwafel“ klingt ja die Musik. Überhaupt, die Musik – die ist bei dieser Probe der Hauptgrund dafür, dass Szenen erneut gespielt werden müssen. „Ich muss gucken, ob die Musik passt, die ich ausgesucht habe“, sagt Allweyer. Einsatz, Anschlüsse, Rhythmus – das alles muss eben nicht nur bei den Schauspielern stimmen. Musik untermalt, veranschaulicht, ja schafft die Emotionen, die sich da auf der Bühne entladen. Daran feilt Allweyer nun. „Das ist falsch, die Musik kann nicht stimmen – nie im Leben so was Ruhiges an der Stelle!“ ruft sie und „stopp, ich würde es gern von Anfang an nochmals haben!“
Tempo heißt die Devise auf der Bühne – obwohl wenn das Stück verspricht, in das alte Paris zu entführen, in eine Zeit vor dem Rauchverbot auf Toiletten und ohne Handys! Clemens Allweyer hat das Stück neu aus dem Französischen übersetzt und von allen Längen befreit, seine Frau kürzt in der Regie noch diese oder jene Szene. An einer anderen Stelle braucht sie dafür länger; aus den Umbauszenen hat Tanzpädagogin Sabine Noll ein kleines Ballett gemacht. Dann muss auch die Musik länger laufen. Das ist noch vergleichsweise einfach, wenn Michael Bach als Maurice Chevalier mit dem Akkordeon die Regie auf der Bühne übernimmt. Der nickt auf so eine Forderung der Chefin einfach nur: ist gebongt. Bach hat die Musik selbst arrangiert und passgenau auf das Stück zugeschnitten.
Aber das mit den Übertreibungen – das muss noch besser werden, lässt Simone Allweyer die Regieassistentin Sonja vermerken. Vor allem beim General. Den spielt Clemens Allweyer. Aber es sind ja noch fünf Proben. Und es sieht so aus, als sollten die Zuschauer mindestens so viel Spaß haben wie die Pariser seinerzeit bei der Uraufführung 1899. Das Stück kam so gut an, dass es binnen zwei Jahren 600 Mal gespielt wurde.