Verhext und verzaubert
Hingerissen waren große und kleine Zuschauer von der Premiere der „Kleinen Hexe“ beim Theater im Steinbruch: eine absolut familientaugliche Aufführung!
Die Premiere am Sonntag im Theater im Steinbruch ging hervorragend und das Publikum war am Ende verhext und verzaubert. Gleich zu Beginn herrschte ein spannungsgeladenes Flair. Nicht nur die 33 jungen Darsteller waren aufgeregt, auch die jungen Zuschauer waren voller Vorfreude, während sich einige den Mund mit Gummibärchen vollstopften oder Eis schleckten. Die beiden Hauptdarsteller sind Sympathieträger, die bösen Hexen sind eher lustig als furchteinflößend. Und wenn sie ausgelassen auf dem Blocksberg Cancan tanzen, reißen sie die kleinen und großen Zuschauer mit, die munter mitklatschen. Die wilden Gestalten auf der Bühne mit Zottelhaaren, langen Nasen, bunt zusammengeflickten Gewändern schwingen ausgelassen die Beine. Ein ganzer Marktplatz und ein Schützenfest fanden Raum in der besonderen Freiluftkulisse. Herrlich anzuschauen sind die fantasievollen Kostüme von Karin Sulzberger und die Masken von Christina Menner. Philip Seidl und Michael Kraus ließen den nächtlichen Wald akustisch aufleben und mit jedem Geräusch stellte sich ein Bild im Kopf ein. Mit jedem Geräusch, mit jeder Stimme, die Regisseur Benedikt Bachert den Figuren verlieh, nahmen sie Gestalt an: Die Oberhexe, Wald-, Moor- Kräuter- und Windhexen, Maronimann, Billiger Jakob oder Bürgermeister. Diese Aufführung ist eine liebenswerte Erinnerung an die Märchenwelt und absolut familientauglich für Jung und Alt.
Die kleine Hexe (hervorragend Lena Haye) und der Rabe Abraxas (großartig Raphael Müller-Bütow) vom Kinderbuchautor Otfried Preußler, denn beide verbindet eine große Vertrautheit und enge Freundschaft. In einer Szene ist Rabe Abraxas besonders stolz auf seine Freundin und lobt sie „Die Hexerei mit den Blumen hat mir am allerbesten gefallen. Wäre der Rabenschnabel mir nicht im Wege – ich würde dir einen Kuss dafür geben“ Ihre kokette Antwort „Versuch’s doch mal!“ Sie klappt ihm den Schnabel hoch, bekommt einen Kuss und bedankt sich artig: „Danke, Abraxas.“
Dabei ist die kleine aufmüpfige Hexe zu gut für ihre Zunft, sie beweist zwar, dass sie das Pensum im Zauberbuch beherrscht. Lässt Reisig regnen, kuriert eine Grippe oder lässt ein heftiges Gewitter heranziehen. Immer in Absprache mit dem hinreißend krächzenden Raben, der in einer Szene die böse Forstautorität mit Himmelfixpaukenschwerenotbleiundhagel“ nachäfft. In einer der vielen zauberhaft gespielten Szenen hext sie für das arme Blumenmädchen duftende Papierblumen: „Ich schätze, es waren so an die tausend“. Der schlaue Rabe: „Das reicht nicht! Mindestens achthundertzehnundneunzig waren es. Hexe: „Hast du mitgezählt?“ Rabe: „Oder sechshundertzwölfundelfzigsiebzehn, vielleicht auch mehr.“ Rabe: „Und ihren Duft haben sie behalten?“ Hexe: „Den ganzen Winter lang.“
Der treue Abraxas würde sich eher die Flügel stutzen lassen als die Freundin im Stich zu lassen und den jungen Zuschauern ging es wohl ähnlich. Er mahnt und ermuntert, er tröstet und nörgelt und krächzt immer an ihrer Seite. Der sonst so weise Rabe hat die Oberhexe (imposant Johannes Wipfler) missverstanden. Die junge Kollegin, erst 127 Jahre alt, die unerlaubterweise mit auf den Blocksberg gekommen war, entdeckt wurde und nun bestraft werden muss, soll erst eine „gute Hexe“ werden, bevor sie im nächsten Jahr wieder vorstellig werden darf. Doch unter „gut“ verstehen Hexen etwas anderes als der schwarz gefiederte Vogel. Rumpumpel, der Muhme, (wunderbares Mienenspiel von Lorenz Allweyer) hat einiges gegen sie hervorzubringen. Denn die Aspirantin auf einen Sitz im Hexenrat hat ihre Zauberkenntnisse ein Jahr lang angewendet, um, angeleitet vom selbstbewussten Raben Abraxas, lauter gute Taten zu vollbringen. Die „Kleine“ macht ein weinendes Blumenmädchen reich, züchtigt einen sadistischen Förster, hilft armen Weiblein beim verbotenen Holzsammeln. In einem munteren Szenenreigen zeigen die jungen Schauspieler in dieser gekonnten Inszenierung unter der Leitung des jungen Schauspiel- und Regietalents Benedikt Bachert Spielfreude, Talent und Können. Und natürlich siegt am Ende das Gute, indem die kleine Hexe ziemlich viel Mut beweist, als sie nämlich dem ganzen Spuk der Oberhexe und der anderen bösen Damen ein überraschendes Ende setzt.