Verabredung zum Selbstmord
Vor der Premiere: Das Zwei-Personen-Stück „Norway Today“ wird vom Theater im Steinbruch in der Cinemaja inszeniert.
Julie will Selbstmord begehen. Aber nicht alleine. In einem Chatroom lernt sie August kennen. Die beiden beschließen, nach Norwegen zu fahren, um sich vom Preikestolen-Felsen in den Lysefjord zu stürzen – so beginnt das Zwei-Personen-Theaterstück norway.today vom Theater im Steinbruch, das am Dienstag im CineMaja Premiere feiert. Ein Jugenddrama, das viel Wortwitz enthält, nachdenklich macht, aber trotzdem nicht betrübt. Das Stück basiert auf einer wahren Begebenheit, erzählt Regisseur Gunter Hauß. Ein 25-jähriger Norweger habe im Internet einen Partner für seinen Selbstmord gesucht und dabei eine 17-jährige Österreicherin kennengelernt. Er bezahlte ihr das Flugticket nach Norwegen, die beiden sprangen von der Klippe in den Tod. Allerdings hat der Autor des Stücks, Igor Bauersima, die Geschichte literarisch aufgearbeitet und den Verlauf variiert. So ist es auf der Bühne Julie, die August antreibt, mit ihr nach Norwegen zu fahren, um Selbstmord zu begehen.
Eigentlich habe das Stück aber kaum Handlung, erklärt Hauß. Die meiste Zeit reden Julie und August nämlich nur. Und trotzdem sei es kein schweres Stück. Gerade das mache den besonderen Reiz aus. Der Autor hat viel Wortwitz eingebaut, die Rollen greifbar gemacht. Diese nun auf der Bühne glaubhaft darzustellen – das ist die Aufgabe des Regisseurs und der beiden Schauspieler. „Wir wollen, dass die Leute denken, so jemand könnte auch bei mir nebenan wohnen“, erläutern sie.
Für die Darsteller Juliana Bachert und Lorenz Allweyer ist es die erste Rolle, die so ein ernstes Thema aufgreift. Zuvor haben sie beim Kinder- und beim Schultheater vorwiegend Komödien gespielt. Doch genau das hat den Reiz der Rolle ausgemacht „So etwas kriegst du nicht mehr so schnell angeboten“, dachte sich Allweyer. Juliana sah es als Chance, sich als Schauspielerin weiterzuentwickeln. Deshalb wollte sie unbedingt dabei sein.
Am Anfang war es für die beiden schwierig, ihre Rollen zu verstehen. Doch nach der Zeit hätte sie sich damit angefreundet, erzählt Bachert. Das lag auch an der guten Vorbereitung. Denn schon im Februar fing die Arbeit an dem Stück an. Es wurde gelesen und diskutiert. Auch Filme zum Thema Selbstmord hat das Dreier-Team geschaut. Außerdem sind sie auf den Münsterturm gestiegen, um die Höhe der Klippe nachfühlen zu können. Um sich besser in ihre Rollen hineinfühlen zu können, mussten die beiden Schauspieler Facebook-Profile von Julie und August erstellen. Da musste man sich überlegen, wie diese heißen, wo sie wohnen, welche Musik sie hören und welche Filme ihnen gefallen. So haben nun auch beide ein klares Bild ihrer Rolle.
August sei Kind berufstätiger Eltern, wahrscheinlich aus dem Mittelstand, stellt sich Lorenz vor. Sicher sitzt er viel vor dem Computer, hat wenig Freunde und auch noch nie eine Beziehung zu Mädchen gehabt. Juliana würde ihre Rolle nicht als die typische Selbstmörderin beschreiben. „Julie wirkt wahrscheinlich ziemlich normal“, meint sie. Außerdem sei sie sehr forsch und gebe August öfter mal einen Tritt in den Arsch. Dabei will sie sich aber nicht anmerken lassen, dass sie in Wirklichkeit genauso viel Angst vor dem Tod hat wie er.
Vieles an dem Stück fällt aus dem normalen Repertoire des Amateurtheaters – so auch, dass es nur aus zwei Figuren besteht. Die Arbeit sei zwar anders, erzählt Hauß, dadurch aber auch umso intensiver. Man könne in der kleinen Gruppe viel konzentrierter arbeiten, dadurch sei das Stück „wahnsinnig pur“ geworden.
Zwei junge Menschen, die den Großteil ihrer Zeit in der virtuellen Welt verbringen und dann das absolute Naturerlebnis am Norweger Fjord suchen – ein wahrer Selbstfindungstrip, bei dem sie merken, dass sie keinen Grund haben zu sterben, aber auch keinen, weiterzumachen. So bringt Hauß die Essenz des Stücks auf den Punkt.