Schnell, hart, unsentimental

Sie sind einfach super, die Street Kids, die das junge Team des Theaters im Steinbruch auf die Bühne des Jugendhauses schickt. Das gleichnamige Stück präsentieren sie mit vollem Einsatz und einer fast unglaublichen Bühnenpräsenz. Dazu passt der Ort: Sie spielen fast in ihrem jungen Publikum und haben sofort einen Draht zu ihm.

Schier fürchten könnte man sich, wenn einem einer wie Otto begegnet, so gemein und verbohrt gibt Johannes Wipfler den „Kotzbrocken“. Und um den Obdachlosen, den Michael Schäfer so lebensnah gibt, dass man ihm den Weg zur Wärmestube weisen würde, dürften wohl viele Bürger einen großen Bogen machen.

Schnell, hart, unsentimental geht es auf der Bühne zu. Gleich die erste Szene zeigt den schier unauflöslichen Konflikt: Otto, Chef der Jugendbande „Yankees“, hat was gegen Ausländer, „Kanake ist Kanake“, auch wenn Tunjai (Raphael Schüler) ihn drauf hinweist, dass er aus Russland stammt. Dann, und das ist sehr typisch für dieses von Benedikt Bachert rasant und mitreißend inszenierte Stück, abrupter Szenenwechsel: Auftritt Penner Kurt, der einen Einkaufswagen mit seinen Habseligkeiten ins Jugendhaus schiebt. Ein bisschen scheu und doch lebensklug zeigt er sich, auch wenn sich die Kids von seinem ständigen „Ich weiß da Bescheid“ genervt fühlen. Beate Arnold humpelt als Oma Meier in den Saal, eigentlich möchte man ihr auf die Bühne helfen. Überzeugend bringt sie den Lieblingsspruch älterer Leute an: „Früher gab’s sowas nicht!“

Die Szenerie wird brutaler; die Warriors, die sich von den Yankees getrennt haben, stürmen herein, Otto schlägt Oma Meier nieder und raubt ihr die Handtasche. Murielle Meier als Sheila verhindert Schlimmeres, sie behauptet, Polizei sei unterwegs und alle flitzen davon. Doch Otto durchschaut das Manöver und will sich rächen. Tunjai seinerseits will Sheila helfen. Eine üble Schlägerei scheint unausweichlich, wäre da nicht Penner Kurts unschlagbare Geheimwaffe. Und so passiert zum Schluss ein kleines Wunder – und es besteht nicht nur darin, dass Oma Meier Kurt zum Tanz bittet; denselben Kurt, von dem sie sich anfangs nicht mal auf die Beine helfen lassen wollte. Am besten selber angucken…

Denn all das wird so lebendig präsentiert, dass die Besucher förmlich in das Geschehen hineingezogen werden. Die Schauspieler, die meisten zwischen 12 und 18 Jahren, kennen die Welt, die sie spielen, sie stellen Altersgenossen dar. Ein Kinderspiel ist das nicht, sondern bei allem Spaß an der Sache harte und sauber geleistete Bühnenarbeit. Da steht keiner nur ’rum, jeder trägt zum Geschehen bei und sei’s durch einen entsetzten Blick.

Die Spieler haben keine Zeit zum Luftholen und lassen auch dem Publikum keine. Es geht Schlag auf Schlag und gerade das wirkt so authentisch: Eben noch ängstlich oder voller Wut, gleich darauf mutlos, dann einen coolen Spruch auf der Lippe; jetzt blasiert und bissig, dann wieder einfühlsam – so sind sie halt, möchte man sagen und könnte sich vorstellen, diese Gruppen rund ums Jugendhaus zu treffen. Großes Kompliment! Und das gilt für alle(s). Die drei Monate Proben haben sich gelohnt. Nicht nur spielerisch. Der Umbau wird routiniert auf offener Bühne vollzogen, Licht und Musik passen wie selbstverständlich.