Bühnenbau als Herausforderung
BZ-INTERVIEW mit Benedikt Bachert und Michael Kraus vom Theater im Steinbruch über die Vorbereitung der neuen Saison.
Am 19. Juni beginnt die Theatersaison beim Theater im Steinbruch mit der Premiere des Erwachsenstückes „Piroschka“. Bis es soweit ist, müssen nicht nur die Schauspieler schwitzen, auch die Technik ist gefordert, denn das Bühnenbild entsteht in diesem Jahr völlig neu. Es braucht ein offenes Feuer sowie ein Lebkuchenhaus, das auch als „Gerippe“ überleben kann. Sylvia-Karina Jahn sprach mit den beiden Technik-Spezialisten, dem Abiturienten Benedikt Bachert (19) und dem Elektrotechnik-Studenten Michael Kraus (27).
BZ: Wie sind Sie zu Ihrem Hobby Theater gekommen?
Bachert: Ich bin vor elf Jahren mit größter Begeisterung zum Theater gekommen, meine Mutter gab den Anstoß dazu; damals wurde noch Kinder gesucht, die mitmachen, heute ist der Zulauf ohnehin groß. Theater ist mein Leben: Ich spiele parallel im Erwachsenenstück, bin in der Theater-AG des Goethe-Gymnasiums und führe Regie im Abi-Theater.
Kraus: Vor sieben Jahren kam Gunter Hauß zu mir, den ich kannte, und sagte, das Theater brauche eine neue Tonanlage. Dann ging es sehr schnell: Ich habe sie gekauft und aufgestellt und danach war ich als Techniker fest gebucht.
BZ: Und warum sind Sie in der Technik gelandet beziehungsweise dabei geblieben? Im Rampenlicht stehen ja die anderen.
Bachert: Meine Mutter wollte, dass ich für ein Jahr mit dem Schauspielen aussetzte, und da dachte ich, die Technik wäre ein Weg, hintenrum doch dabei zu sein. Und dann war ich fasziniert davon, was man da machen konnte. Ich durfte mich im Kinderstück austoben, gespielt wurde gerade Jim Knopf. Dabei bin ich dann geblieben.
Kraus: Mich hat schon immer alles interessiert, was mit Strom, Licht und Pyrotechnik zusammenhängt. Das kann ich beim Theater im Steinbruch ausleben und ich bekomme dort die Mittel dazu. Außerdem habe ich viele Freunde dort gefunden – das gefällt mir.
BZ: Aber es ist ein recht aufwändiges Hobby. Wie viel Zeit investieren Sie dafür?
Bachert: Das haben wir nie gezählt! Wir sind jeden Samstag von 10 bis 17 Uhr beim Bühnenbau. Dazu kommen pro Woche drei Proben, macht neun bis zehn Stunden. Wenn es auf die Aufführungen zugeht, wird täglich geprobt. Ja, und in der Saison dann vier bis fünf Vorstellungen pro Woche.
BZ: Gibt’s da nicht mal eine Pause?
Kraus: Der Bühnenbau arbeitet das ganze Jahr über. Was kaum jemand sieht: Im Winter müssen wir das Gelände unterhalten, Laub wegfegen, finden aber auch Zeit, unsere Sachen zu sortieren. Da läuft die Arbeit schon mal auf Standgas. Aber ab März, April wird es wieder ernst und die letzten vier Wochen vor den Premieren geht es dann richtig ab.
BZ: Wie viele Helfer haben Sie denn?
Kraus: Meist sind zehn bis 15 Leute da, wer halt Zeit hat, auch Schauspieler oder Eltern. Da kommen viele verschiedene Leute mit ganz unterschiedlichen Talenten; erst das Zusammenspiel aller gibt ein Bühnenbild.
Bachert: Wir versuchen auch, die Kinder einzubinden, sie können so den Umgang mit Werkzeug lernen. Das Floß aus dem Kinderstück im vergangenen Jahr durften sie selbst bauen – sie sehen, was das für eine Arbeit ist, und gehen dann gleich ganz anders mit den Requisiten um.
BZ: Jedes Stück ist anders.Wo liegen in diesem Jahr die technischen Herausforderungen?
Kraus: Für das Erwachsenenstück benötigen wir eine Windmühle, eine Schranke und Bahnsignale, die alle funktionieren sollen. Außerdem müssen wir so ziemlich alle Gebäude neu bauen, denn wir spielen diesmal mit offener Mitte und lassen den Blick auf den Steinbruch frei.
Bachert: Zudem wollten beide Regisseure einen Surround-Sound, so dass wir zwei neue, zusätzliche Lautsprecher installiert haben. Für das Kinderstück braucht der böse Zauberer Werkzeug, ein Labor, und wir arbeiten mit Nebel und abends mit Licht und Farben.
BZ: Wie finden Sie die Lösungen für immer neue Anforderungen?
Kraus: Das ist der schwierigste Teil und mein Job. Die Regisseure überlegen sich Bühnenbildentwürfe und wir müssen dann schauen, was realisierbar ist. Schließlich müssen beide Bühnenbilder, das für die Kinder und das für die Erwachsenen, mit geringem Aufwand ineinander übergehen, und es muss finanziell für uns machbar sein. Da muss ich Kompromisse machen. Ein Beispiel: Für Piroschka brauchen wir das Anwesen der Familie Csiky, ein Bauernhaus. Relativ spät erfuhren wir dann, dass für das Kinderstück an jener Stelle ein riesiges Gebirge geplant ist. Also arbeiten wir mit herausnehmbaren Dächern und bauen Felsen aus Stofftüchern und Draht, die leicht wieder wegzutragen sind.
BZ: Was war denn bisher die schwierigste Aufgabe?
Kraus: Das war die ferngesteuerte Lok „Emma“ von Jim Knopf.
BZ: Sie suchen ja immer wieder Helfer. Müssen die besonderes Geschick mitbringen?
Bachert: Wer Lust hat mitzuarbeiten, ist immer willkommen. Es gibt genügend Mitglieder, die handwerklich nicht so geschickt sind, aber wir haben so viele Aufgaben, da findet jeder etwas, das er kann und das ihm Spaß macht. Wer das möchte, kann aber auch an kostenlosen Schulungsmaßnahmen des Landesverbandes teilnehmen. Wir beide haben beispielsweise so eine Schulung in Ton- und Lichttechnik gemacht.
Info: Wer mitarbeiten möchte, findet die Techniker jeden Samstag ab 10 Uhr im Theater im Steinbruch an der Steinstraße oder kann sich unter info@theater-im-steinbruch.de anmelden.
– Wer das fertige Ergebnis bewundern will: Das Erwachsenenstück „Piroschka“ hat am Samstag, 19. Juni, 20 Uhr Premiere, das Kinderstück „Rabatz im Zauberwald“ am Sonntag, 27. Juni, 16 Uhr.