Der Papst in der Küche
Eine Emmendinger Komödie konfrontiert den Papst mit dem Alltag
Der Papst schält Kartoffeln. Zumindest im Winterstück des Theaters im Steinbruch Emmendingen. Dieses erlebte am Freitagabend seine gefeierte Premiere in der Festhalle der Emmendinger Psychiatrie.
Dass Papst Albert IV. alias Gottfried Groener väterlich stoisch gerade in der Psychiatrie Kartoffeln schält, hat nichts Thematisches. Für das Theaterteam ist es derzeit in ihrem Steinbruch einfach zu kalt. Und das Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen (ZPE) bietet mit seiner Festhalle ein ideales Forum, um die Laienschauspieler um Regisseur Gunter Hauß gut in Szene zu setzen. Einen, der geistig etwas durcheinander ist, gibt es dennoch in dieser Komödie. Der Taxifahrer Sam Leibowitz ist etwas schräg drauf. Als Aktivist gegen alles mögliche ist der jüdische Familienvater auf die Idee gekommen, den Papst zu kidnappen.
Diese Tat sorgt für den Namen der Komödie von Joao Bethencourt: „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“. Die Gelegenheit war da. Sam, glänzend gespielt von Christian Fuhrmann, entführt den Papst und verstaut ihn in seiner Speisekammer. Als dies im Familienkreis durchsickert, ist das Bohei groß. Mama Leibowitz oder Simone Allweyer, die Beste auf der Bühne, bekommt das große Grausen angesichts dieses neuen skurrilen Einfalls ihres Gatten. Andererseits ist sie pragmatisch genug, um den Papst für die Küchenarbeit zu rekrutieren. „Ich hab doch nicht den Papst gekidnappt, damit er dir in der Küche hilft!“, entrüstet sich Sam. Aus dieser Konfrontation des Papstes mit dem Alltagsleben entspringt der Witz dieses Stückes. Kleine humorvolle Schlenker sorgen für die Lacher.
Wozu also hat Sam den Papst entführt? Um von der Uno einen Friedenstag zu erzwingen. Das kann Sohnemann Irving (Benedikt Bachert) gar nicht nachvollziehen. Er hat sich beim gemeinsamen Abendessen mit seiner Heiligkeit schon gefragt, was man für den katholischen Oberhirten in Barem herausschlagen könnte? Viel. Darin wird man sich einig. Und der durchgeknallte Vater verbockt es, indem er etwas zum Weltfrieden beitragen möchte.
Dies ist die nachdenkliche Seite des Humors in der Komödie. Auch ein anderer möchte den Umstand versilbern. Rabbi Meyer, der listige Onkel von Sam, hat spitz gekriegt, dass hier eben jener geistliche Schatz verborgen ist, nach dem die ganze Welt sucht. Der neunmalkluge Rabbi, von Michael Schäfer mit jiddischem Slang auf die Bühne gebracht, lässt die gespannte Familienidylle mit Papst auffliegen. Wie die Welt mit dem Kidnapper und den Forderungen umgeht, bekommt das Publikum durch die Tontechnik mit. Die Schauspieler sitzen hin und wieder gebannt vor dem Fernseher. Langsam rückt die Tontechnik aber auch die unsichtbar herannahende Front aus Sheriff, Armee und Kurie ins Bewusstsein.
Gibt es den Friedenstag oder wird der Papst vorher befreit? Es kracht und raucht. Denn der Taxifahrer kann noch andere Marotten gegen seine Angreifer ausspielen. Da er sein Ungeziefer im Garten mit Dynamit bekämpft, hat er schon das richtige Werkzeug gegen Staats- und Kirchenmacht. Wie geht’s wohl aus? Sowohl mit, als auch ohne Happy End. Wer dieses noch nicht kennt, kann es heute Abend erfahren.