Pures Vergnügen auch für die Großen

Das Theaterstück „Bill Bo und seine Bande“ ist keinesfalls „bloß“ ein Stück für Kinder. Denn erwachsene Theaterbesucher haben sich am Sonntagnachmittag bei der Premiere im Theater im Steinbruch gleichermaßen amüsiert.

Die jungen Besucherinnen und Besucher können sich über viel „Action“, bei der niemand ein Haar gekrümmt wird, freuen. Erwachsene haben viel Gelegenheit zum Schmunzeln über den hintersinnigen Humor, den Regisseurin Simone Allweyer und ihr Team auf elegante Weise mit eingeflochten haben. Kurze Ausflüge in die Welt der Persiflage sind eines der i-Tüpfelchen des Stücks. Flotte Gesangsbeiträge tragen mit dazu bei, dass nicht ein Hauch von Langeweile aufkommt. Dafür hatten viele der 27 jungen Akteure seit Monaten Gesangunterricht genommen. Die Arbeit und die Mühe zahlte sich aus. Auf dem Heimweg summten zahlreiche Theaterbesucher das Titellied von Bill Bo und seiner Bande.

Räuber sind auch nicht mehr das, als was sie landläufig beschrieben werden. Entweder vertrottelte Kerle oder Memmen. Allein schon der Prolog war eine schauspielerische Glanzleistung. Willi, das Eichhörnchen (Rebecca Schneider) und der Reiher Wally (Miriam Fuhrmann) verkörperten zwei charmante und äußerst gewitzte Erzählerinnen. Die Rollenverteilung in der Chefetage der Räuberbande hätte nicht unterschiedlicher sein können. „Rädelsführer“ Bill Bo (Raphael Schüler) verkörperte einen Räuberhauptmann von altem Schrot und Korn. Etwas draufgängerisch und unüberlegt. Während sein „Vize“ Kill Waas (Lorenz Allweyer) mit viel krimineller Energie und coolem Sachverstand zu Werke ging.

Wenn Räuber relaxen, saufen sie bekanntermaßen spätestens seit Michael Endes „Wilde 13“. Zechgelage gehören in jedes Räuberstück, verbunden mit nicht gerade feingeistigen Dialogen. So etwas beherrschten die jungen Akteure schon wie die alten Hasen. Und die Haushälterin (Annabelle Völker) versteht es, bevor sie in ihre obligatorische Ohnmacht fällt, so durchdringend zu kreischen, dass selbst hartgesottene Halunken den Säbel nicht mehr richtig in der Hand halten können.

Der lange Hein (Johannes Wipfler) und Gselcher (Jonathan Richter) waren von Beginn an textsicher und ihre Spielfreude und die der anderen Mitglieder der Truppe sprang rasch auf die überaus zahlreichen Premierengäste über. Jani Hornung in der Rolle des etwas desorientierten ungarischen Räubers − er verwechselte stets die „scheene blaue Donau“ mit dem wunderschönen deutschen Rhein − könnte demnächst auch als Nachwuchskabarettist engagiert werden. Vornehm weise- zurückhaltend, wie eben eine Eule, schwebte Amelie Wegner durch das ehrwürdige Gemäuer der Wasserburg Dingelstein.

Was an diesem Stück so fasziniert, ist die Leichtigkeit und die schnellen Szenenwechsel. Von der handfesten Rauferei bis zum virtuosen Gefecht mit Säbel und Degen wirkt alles locker und stets authentisch.

Erfreulicherweise lenkt hier nicht zu viel Technik von der Schauspielkunst der Akteure ab. Wenn aber Technik eingesetzt wird, dann wirkt sie verblüffend originell. Ein Boot, oder eine prunkvolle Fahrradkutsche kommen während der Handlung nur sparsam zum Einsatz. Auf jeden Fall haben bei der Verteidigung der Burg im Rhein, die klugen Köpfe − meist sind es die Frauen – die Nase vorn. Dass hier keine Köpfe rollen und ein Knastaufenthalt – Verzeihung: Gefangennahme im Burggefängnis – nicht zur Tortur wird, ist erholsam. Kindern wie Erwachsenen beschert das Stück höchstes Vergnügen.