Von Ohrwürmern und Seifenblasen
Das Theater im Steinbruch hat am 19. Juni Premiere: „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ von Ralph Benatzky. Die Regie hat die Regisseurin und Schauspielerin Isabell Steinbrich aus Burkheim übernommen, die musikalische Leitung hat Andrea Rembold aus Emmendingen. Sylvia-Karina Jahn sprach mit den beiden.
BZ: Das Theater am Steinbruch hat für ein Amateurtheater ausgezeichnete Schauspieler, dennoch ist es sicher eine Herausforderung, mit Laien zu arbeiten.
Steinbrich: Bislang war mein Hauptschwerpunkt Schauspiel mit Kindern und Jugendlichen, deshalb ist für mich die Herausforderung mit Erwachsenen zu arbeiten. Es ist wunderschön zu sehen, wie die Spieler meine Ideen aufgreifen und dann eigene Geschichten erzählen. Beeindruckt hat mich der Enthusiasmus, der bei den Laien dahintersteckt. Die machen das ja alles nebenher und stecken so viel Kraft und Energie hinein, die spürbar ist und viel Freude macht. Außerdem kannte ich das Stück vorher nicht. Neu war für mich auch, dass Gesang dabei ist.
BZ: Stichwort Gesang: Eine gute Stimme bringt nicht jeder mit und das Lampenfieber dürfte auch kräftig zuschlagen – das hat man beim „Dracula“ im Vorjahr gemerkt.
Andrea Rembold: Wir kommen zurecht…
Steinbrich:…mehr als das! (beide lachen).
BZ: Aber im Ernst: Wie läuft es?
Rembold: Es ist schon ein Abenteuer, das die Leute da eingegangen sind. Ich hatte den Auftrag unter dem Gesichtspunkt angenommen, dass ich die Leute zum Singen bringen soll; die musikalische Leitung kam erst später dazu. Es war ein Sprung ins kalte Wasser – für alle, aber mit Warmwasserbecken nebenan: Meine Kontakte zu regionalen Musikprofis hätte ich jederzeit für die Inszenierung nutzen können. Aber dieses Arbeiten an den Grundlagen hat mich sehr gereizt. Von dem 13-köpfigen Ensemble haben nur zwei Frauen eine Gesangsausbildung, dann gibt es eine Handvoll, die natürlich mit der Stimme umgehen…
BZ: Was heißt das?
Rembold: Sie treffen ohne Schwierigkeiten den Ton. Der Rest lernt jetzt seine Stimme kennen. Darunter sind viele, die keinerlei Gesangserfahrung mitbringen.
Steinbrich: Denen man früher gesagt hat „du kannst nicht singen“.
Rembold: Ich sage dagegen: Die Stimme ist unser Instrument, du musst sie nur kennenlernen. Und es ist enorm und erstaunlich, was sich da bewegt hat. Natürlich sind wir keine Opernsänger und auch kein Staatstheater.
Steinbrich: Die vom Verlag vorliegende Fassung nennt das Stück ein „Singspiel“ und so sind wir auch an die Probenarbeit gegangen: Wir wollen schauspielern und dazu singen und nutzen unsere Fähigkeiten. Das Schöne an diesem Stück ist, dass jede Rolle ihren besonderen Moment hat. Bis jeder seinen Platz hatte, das war ein Riesen-Sudoku. Ich habe mir angeschaut, was in den Leuten schlummert, und möchte sie herausfordern – und das Tolle ist, sie machen das mit.
Rembold: Wir nutzen auch mal gern die Möglichkeit des Sprechgesangs.
BZ: Sie arbeiten jetzt schon seit einem halben Jahr an diesem Stück. Wo sind die Highlights?
Rembold: Das Ganze ist ein Highlight!
BZ: Und wo liegen die Schwierigkeiten?
Steinbrich: Den größten Bammel hatte ich vor dem Zusammenbringen der Schauspieler mit den Musikern – wir haben eine fünfköpfige Gruppe von der „Freeky-Bigband“ der Markgrafen-Realschule. Und ich wurde grandios überrascht. Auch mit den Headsets funktioniert es prima. Nun stehen die Durchlaufproben an, da müssen wir abends aufpassen, dass wir nicht zu lange laut sind, denn bei Proben ist man schnell mal bis halb eins dabei. Ein anderes Beispiel: Wir haben für den Leopold jemanden, der gesangsmäßig weit unten anfangen musste. Deswegen haben wir ihm den Piccolo als „Schatten“ dazugegeben, der notfalls seine Stücke singen könnte. Das wäre jetzt nicht mehr nötig, trotzdem singt der Piccolo einen Song vom Leopold, weil uns die Idee so gut gefallen hat.
BZ: Jeder kennt die gängigsten Melodien vom „Weißen Rössl“ in High-Tech-Qualität und von Stars und Profis. Was setzt das Theater im Steinbruch dem entgegen?
Rembold: Wir haben uns die Filme angesehen. Wenn Sie beispielsweise die Verfilmung mit Peter Alexander nehmen, dann ist es ein Peter-Alexander-Film; bei einer Verfilmung mit Johannes Heesters liegt der Schwerpunkt im Gesang. Wir nehmen unsere eigenen Bilder, die beim Lesen der Bühnenfassung kommen; dann entsteht fast von allein etwas anderes.
Steinbrich: Ich arbeite gern mit Assoziationen. Und mein erstes Bild war das von einem Traum oder einem schönen Märchen. Wenn man das so inszeniert, besteht die Gefahr, dass es zu kitschig oder romantisch daher kommt. So versuchen wir, kleine Irritationsmomente zu schaffen. Aber keine Angst, es gibt kein neumodisches Durcheinander! Ich versuche, es auf eine natürliche Ebene zu bringen. Ich komme eben von einem Theater her, wo man die Figuren und Handlungen eher psychologisch erklärt: Warum macht die Rollenfigur jetzt das? Wie ist ihre Biografie? Auch der Steinbruch schafft eine andere Atmosphäre und ich erfülle die Vorgabe: mehr Freilicht- als Kammertheater. Deswegen wird es keine Umbaupausen geben. Das ist oft schwer schauspielerisch zu füllen, aber es klappt. Dadurch wirken die Szenen wie Seifenblasen, die leicht in die Luft schweben und bevor eine verschwunden ist, kommt schon eine Neue angeflogen, Traumsequenzen eben.
BZ: Was hat Sie an dem Stück gereizt?
Rembold: Viele Leute sind heutzutage ja eher Pop-Rock-orientiert – das geht mir auch so. Aber die Lieder in diesem Stück sind einfach Ohrwürmer, sie reißen mit. Nichtsdestotrotz fordert das breite Klangspektrum von tiefen zu hohen Tönen viel stimmlichen Einsatz.
Steinbrich: Viele meinen, das „Rössl“ sei so eine Schlagerschnulze aus den 50er Jahren. Ursprünglich war es ein Schwank aus dem Jahre 1898 und in den 30er Jahren hat Benatzky es zum heute bekannten Singspiel umgearbeitet und Komponisten wie Robert Stolz haben dafür komponiert.