Lernen im Zug, mit Karteikarten und Tonband
„Verwandte sind auch Menschen“ hat Samstag, 20.30 Uhr Premiere / Proben laufen auf Hochtouren
Wenn die Zuschauer der Premiere zu „Verwandte sind auch Menschen“ nur halb so viel Spaß haben wie die Akteure des „Theaters am Steinbruch“ bei ihren Proben, selbst wenn mal ein Stückchen Text fehlt, dann ist ein rundes Theatervergnügen garantiert.
Vorerst freilich schaut Regisseur Jens Katzmarzik immer wieder auf die Uhr: Mehr Tempo fordert er für das vergnügliche Stück von Erich Kästner und Eberhard Keinsdorff. Doch das kriegen die Spieler schon in den Griff, zwei Haupt-und eine Generalprobe werden noch stattfinden. Und wenn sich Spielfreude mit dem Adrenalin des Premierenfiebers mischt, dürfte es eine gewohnt flotte Aufführung geben.
Ja, die Proben laufen auf Hochtouren in dem alten Steinbruch. Angefangen haben die 16 Darstellerinnen und Darsteller nach Ostern mit zwei bis drei Probenterminen in der Woche, dann trafen sie sich viermal wöchentlich und jetzt, in der heißen Phase unmittelbar vor der Premiere, siebenmal – „nur noch“, flachst einer. Aber das macht nichts, die Stimmung ist glänzend auf und hinter der Bühne – siehe oben. Obwohl die Schauspieler nicht nur ihre Rolle, sondern auch so manche andere Aufgabe zu meistern haben. Selbstverständlich ist, dass jeder mit anfasst, wo es nötig ist. So springt Gunter Hauß dann schnell mal bei der Lichttechnik ein, und um seine Requisiten muss sich ohnehin jede(r) kümmern. Etwa Koffer packen: „Dein Koffer darf nicht so leicht sein“, heißt die Regieanweisung an Kathrin Holz.
Das Spiel – das ist nicht nur Mimik und Gestik, Stechschritt und Schreiten, „Berlinern“ und gestelzte Ausdrucksweise, das ist für jeden erst mal eine ganze Menge Text. Wie man den lernt? Das, finden die Laienschauspieler, sei kein Problem – aber dennoch hat jeder seine eigene Methode. „Das Lernen ist das Wenigste“, meint Clemens Allweyer, der auf der Fahrt zur Arbeit im Zug lernt und auch die Mittagspausen dazu nutzt, sich den Justizrat Ernst Klöckner anzueignen. Für Gunter Hauß, im Stück „Theodor Blankenburg“, reichen die Textproben, das Meiste eignet er sich dabei an. Und Harald Hornung, der den Bürovorsteher Zander spielt, hat seinen Text während eines zweiwöchigen Griechenland-Aufenthalts gelernt. Marc Sommer, in der Rolle des Stefan Blankenburg alias Leberecht Riedel, arbeitet mit Karteikarten und Tonband: er spricht sich seinen Text auf Band und hört ihn sich dann wieder an. Doch so unterschiedlich die Methoden, man hört: Es funktioniert. Meist schon bei den Proben und selbst bei brütender Hitze.