Für „Tod im Nebel“ im Theater im Steinbruch hat erstmals Rob Doornbos Regie in Emmendingen geführt
Mit dem Sherlock-Holmes-Stück „Tod im Nebel“ bringt das Theater im Steinbruch ab 21. Juni Spannung, Witz und Überraschendes auf die Bühne. Regie führt erstmals Rob Doornbos.
Für die Erwachsenengruppe des Theaters im Steinbruch sind es nur noch wenige Proben bis zur Premiere von „Tod im Nebel“. Big Ben besteht bisher nur aus einer Kuppel am Boden und das Londoner Straßenbild fehlt noch völlig – am Bühnenbild muss noch gearbeitet werden. Doch auf der Bühne proben die Damen vom Allegra-Theater schon ihren großen Tanz-Auftritt; dafür gab’s ein extra Tanzcoaching. Die Schauspieler haben sich neben den Proben auch selbständig zum Textlernen getroffen, erzählt Regisseur Rob Doornbos.
Doornbos stammt aus den Niederlanden, wo er ein Theaterstudium absolviert hat. Vor 18 Jahren kam er nach Deutschland, er hat in Berlin am Grips-Theater gearbeitet, am Staatstheater Stuttgart und ging dann nach Karlsruhe, wo er das „Theaterland“ leitet. Amateurtheater habe ihn schon immer begleitet und liege ihm am Herzen, sagt der 40-Jährige: Ihm imponierten der unglaubliche Ehrgeiz und die Leidenschaft der Amateurschauspielerinnen und -schauspieler, die alles gäben, um dem Publikum einen schönen Abend zu bieten. Doornbos hat 2019 den Staatspreis für Amateurtheater erhalten. Dass das Theater im Steinbruch einen Regisseur suchte, erfuhr er über den Ehrenpräsidenten des Amateurtheaterverbandes, Rolf Wenhardt, erzählt er.
Jeden Abend die Rolle aufs Neue ausleben
Das Theater im Steinbruch hatte mehrere Bewerbungen, aber „er hat uns mit seinem Konzept überzeugt“, sagt Gunter Hauß, Mitspieler und zuständig fürs Marketing. Dazu gehört: Schauspieler sollen mündig werden auf der Bühne und haben einen großen Anteil an der Entwicklung der Rollen, sie sollen „nicht nur abspielen, was sie von mir gehört haben.“ Im Idealfall, sagt Doornbos, lebten sie jeden Abend ihre Rolle neu und spielten auch mit dem Publikum; was wörtlich zu verstehen ist, denn es wird auch Interaktion mit den Zuschauern geben.
Jürgen von Bülow hat das Stück eigens für Freilichtaufführungen geschrieben, Doornbos hat es bereits 2023 mit der Burgbühne Oberkirch inszeniert. Sherlock Holmes als Figur findet er unglaublich spannend, der sei vielschichtig und undurchschaubar. Das Stück bedient Comedy und Ernsthaftes: Holmes triezt Watson, aber es geht auch um ein übles Komplott gegen den Meisterdetektiv und um Gesellschaftskritik, vor allem an der Rolle der Frau.
Genau in diesen Kontrasten liege der Reiz und zugleich die Herausforderung für das Team, sagt Doornbos: Comedy lebt vom Tempo und Gags, beispielsweise von den Spleens des großen Meisters. Aber dem stehen ernste Szenen gegenüber. Für die 17 Akteure bedeutet das: ständigen Wechsel, um diese Mischung hinzukriegen und das Publikum dabei mitzunehmen.
Bevor die Probe anfängt, verteilt Regieassistent Thorsten Scherer Aufgaben: Wer bringt Stühle, Tische, Vorhänge an den richtigen Platz? Wer baut den Kamin ab? Und wie schwer ist eigentlich die Laterne, ist das ein Ein-Personen-Job? Vieles davon geschieht ja auf offener Bühne, vor dem Publikum. Freiwillige sind schnell gefunden.
Nur noch wenige Proben bis zur Premiere
Alle finden sich zur Einstimmung ein: Hände ausschütteln, den Körper wach machen, hüpfen, Hüften kreisen, Gesicht groß und klein machen. Und dann: „Komm zu dir, nimm Abschied von dir selbst“, sagt Doornbos. Klingt nicht so gut? Doch, denn nun heißt es „und steig‘ in deine Rolle ein“. „Connected“ sei das richtige Wort: Wie entwickelt sich die Figur in der Interaktion mit den anderen? Der Regisseur hält sich da zurück: „Ihr macht das nicht, weil Rob sagt, so müsst ihr es machen“, erklärt er, „ihr seht einander und reagiert aufeinander“.
Dann werden die ersten Szenen gespielt; es läuft gut, die Unterbrechung für die Wiederholung ist richtig schade. Es sind oft Kleinigkeiten, die sich Doornbos und seinen Regieassistenten Thorsten Scherer und Daniela Muser notieren. Dann eine kurze Absprache mit Sherlock und Watson. Für die Massenszenen müssen sich alle den eigenen Standort exakt merken, und weiter geht‘s. Der Nebel hat noch seine Tücken, und Doornbos ist die Musik an einigen Stellen noch zu leise, in einer Szene fehlt sie ganz. Aber all das wird sich bis zur Premiere ändern.