„High Noon“ der Rotzgören auf dem schwankenden Piratenschiff
Premiere des Kinderstücks „Peter Pan“ im Theater am Steinbruch: Kinder und Erwachsene feiern die jungen Nachwuchsschauspieler stürmisch
Wetterglück, eine schauspielerische Glanzleistung des ganzen Ensembles und am Schluss tosender Beifall der zahlreichen Besucher. So verlief die Premiere des Kinderstücks „Peter Pan“ im Theater im Steinbruch. Dabei ist es fraglich wer sich mehr amüsierte, die Kinder oder die Erwachsenen? Regisseurin Simone Allweyer verstand es so viel hintersinnigen Witz in dieses Kinderstück einzuflechten, dass es für Erwachsene genauso sehenswert ist, wie für die vielen Kinder, die ihre Altersgenossen stürmisch feierten.
Das 100 Jahre alte Kinderstück bietet für jeden Regisseur ein wahre Fundgrube für gespielte Fantasien. Und über Ideenreichtum verfügte Regisseurin Simone Allweyer genügend. Auffallend war, dass den Kindern keinerlei Lampenfieber anzumerken war. Mit enormer Spielfreude verkörperten sie ihre Rollen. Mister J. M. Barrie (Michael Bach) im Stück der musizierende Chronist, modernisierte die Liedtexte mit Anflügen in den Bereich eines Musicals oder des Kabaretts. Als Wendy ins Komma fiel, erklang prompt die Filmmelodie aus dem Filmklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Was geschieht nicht alles, wenn die Eltern nicht zu Hause sind. Ein gestrenger Vater (Moritz Vogel) spielte seine Rolle genau so authentisch wie „Frau“ Mutter Darling (Nicole Meier) die mit ihrem Schlaflied bereits den ersten Sonderbeifall erntete. Hauptdarsteller Peter Pan (Constantin Herdrich) wurde allen Lebenslagen gerecht. Listig wie ein alter Fuchs und gelenkig wie ein Kunstturner brillierte er während des ganzen Stücks. Die verlorenen Jungs, eine liebenswerte Bande waren eigentlich Findelkinder, die irgendwann einmal aus dem Kinderwagen gefallen sind. Sie wollten endlich auch eine Mutter. Wendy war für alle da. Wären da nicht die marodierenden Seeräuber mit ihren fiesen Kapitän Hook (Clemens Allweyer), einem echten Wüstling mit klassischem Piratenhaken als Hand. Es war Clemens Allweyer deutlich anzumerken, mit welch einer Freude der Jurist in die Rolle des wortgewandten Schurken schlüpfte. Die „Rothäute“ vom wohlklingenden Stamm der „Rotzgören“ unter der Leitung von Tigerlilli (Alexandra Wipfler) ließen sich von einem gewitzten Piraten mit allerlei Schönheitsklunker auf den Leim führen. Aber im abschließenden „Show-down“ richtet Peter Pan alles.
Auf dem Piratenschiff war „High Noon“ angesagt. Es knallte, rauchte, die Akteure verschwanden und tauchten wieder auf. Eine perfekte Bühnentechnik und ein Piratenschiff mit viel technischen Raffinessen waren das I-Tüfpelchen bei diesem Stück. Mehr wird nicht verraten: „Sommertheater“ in seiner schönsten Form.