Nicht allein mit der Angst
Mit dem Winterstück “Angstmän” hat das Theater im Steinbruch einen exzellenten Griff getan
Elf Jahre alt und abends alleine zu Hause, dass das nicht immer nur lustig ist, zeigt das Winterstück des “Theaters im Steinbruch”, das am Samstagmittag in der Festhalle im Zentrum für Psychiatrie seine Premiere feierte. Mit dem Kindertheaterstück “Angstmän” von Hartmut El Kurdi hat die Theatergruppe dabei einen exzellenten Griff getan.
Jennifer Mann, elf Jahre alt, geht es wie vielen Kindern. Die Eltern sind geschieden, die Mutter muss kurzfristig im Nachtdienst einspringen. “Klasse” findet das Jennifer zunächst, der richtige Zeitpunkt für “die Liste” : Endlich mal alles tun, was die Eltern so verbieten. Simone Bruder verkörpert glaubhaft die Rolle der elfjährigen Jennifer, die schnell den Gefallen am abendlichen Alleinsein verliert. Stattdessen schleicht sich still und heimlich die Angst ein und zwar im wahrsten Sinn des Wortes: “Angstmän” (ein wunderbar furchtsamer Gunter Hauß) sitzt im Schrank. Ein “Superman” im Angsthaben, mit Sturzhelm und Knieschonern oder “ein fanatischer Angstbeutel”, wie er sich selbst beschreibt.
El Kurdi hat mit der Konträrfigur zum bekannten Comichelden einen Helden geschaffen, der das Phänomen Angst in Extrema auslebt. Regisseurin Simone Allweyer setzt ihn so in Szene, dass gerade diese Überzogenheit Kinder und Erwachsene richtig zum Lachen bringt. Angstmän hat sich verflogen auf der Flucht vor “Pöbelmän”, dem fiesesten “Superheldenschwein aller Galaxien”. Szenenapplaus gab es für den ersten Auftritt von Michael Schäfer, der mit einem äußerst effektvollen Kostüm einen wunderbaren Gegenspieler zu Jennifer und Angstmän abgibt. Schön schräg die “Quälereien” des Pöbelmän: Lieder singen mit roter Federboa, schlechte Witze erzählen oder Folterkitzeln.
Am Wendepunkt der Geschichte wird aus Jennifer Mann dann Jennifermän, die mit ihrem Mut letzten Endes sogar eine Versöhnung von Angstmän und Pöbelmän herbeiführen kann.
Ein Stück zum Thema “Alleinsein” also mit durchaus auch zahlreichen pädagogischen Hintergedanken, die aber allesamt in so witzigen Dialogen und Szenen verpackt sind, dass sowohl bei Kindern und Zuschauern eindeutig der Spaß im Vordergrund stehen und der erhobene Zeigefinger getrost in der Tasche bleiben darf. Ein Drei-Personen-Stück mit einer gelungen Besetzung, drei Schauspieler die richtig viel Leben auf die Bühne bringen: “Angstmän” ist in der Version des “Theater im Steinbruch” eine empfehlenswerte Alternative zum Comichelden, wie ihn jeder kennt.