Wenn die Wetter-App bei der Theaterprobe im Steinbruch zum Star wird

„Kleiner König Kalle Wirsch“ heißt das Kinderstück des Theaters im Steinbruch, das am 9. Juni Premiere feiert. Die BZ war bei den Proben dabei, bei denen auch das Wetter eine wichtige Rolle spielte.

Der Machtkampf zwischen dem guten König Kalle Wirsch und dem fiesen Zoppo Trump, der ihm den Thron streitig macht, wird ein sehr buntes Spektakel mit vielen unterschiedlichen Rollen. Nach mehreren realitätsnahen Stücken wollte Regisseurin Silvia Gschwendtner ein Fantasiestück mit unterschiedlichen Welten inszenieren. Das 1969 erschienene Buch Kalle Wirsch und die Verfilmung der Augsburger Puppenkiste mochte sie schon als Kind und freute sich, als der Spielbeirat sich dafür entschied. Vorteil sind die vielen Rollen.

Das Wetter spielt den Theaterleuten einen Streich nach dem anderen, es donnert. „Könnt ihr helfen?“, ruft Gschwendtner. Gemeinsam wird eine große blaue Plastikplane über den Kulissen festgezurrt, dann flüchten alle unters Tribünendach. Heftiger Regen setzt ein: Wieder mal Probenpause, bei Gewitter dürfen die Kinder nicht auf die Bühne. Jetzt ist die Wetter-App der Star. Sarah Rombach liest präzise Werte vor: Kurz nach 16 Uhr soll es besser werden. Bis dahin gibt’s vegane Gummibärchen – und Fragen und Vorschläge aus dem Team. Es geht um Details, aber genau die machen das Stück stimmiger.

Endlich hört das Donnern auf, der Regen lässt nach, die Sonne ist zu erahnen. Mit vereinten Kräften wird die Bühne geschrubbt und trockengelegt, damit keiner ausrutscht – die Probe beginnt. Die Echokugeln treten auf, sie wollen verhindern, dass der König und die Kinder aus der Höhle herausfinden. Dazu schallt das Echo aus dem Off und Fledermaus Tutulla schwärmt von den Delikatessen der Unterwelt: Mottenklöße, Tausendfüßlerpastete, mhm… Gschwendtner ist noch nicht ganz zufrieden. „Was ist dein Leibgericht?“, fragt sie. „Lasagne“, sagt Marie Schmidt. „Also, dann denk‘ an die leckerste Lasagne. Und nimm dir Zeit“.

Die Proben sind in der heißen Phase. Je nach Rolle sind die Kinder und Jugendlichen nun bis zur Premiere bis zu fünfmal die Woche im Theater. 27 sind es diesmal, darunter fünf Jungen. Die Altersspanne reicht von neun bis 23 Jahren. 13 Neulinge sind dabei, die meisten im Alter zwischen neun und elf Jahren. Sie wirken meist in den Massenszenen mit, es gibt ja vier Erdvölker. Das Singen, Tanzen und Kämpfen machten die Kinder schon super, sagt Gschwendtner, an der Choreografie für die Jüngsten wird noch gearbeitet. Zugleich feilen die „Textrollen“ an ihren Charakteren, Ratte und Spinne an passenden Bewegungen.

Bei Unwetter kommt es nicht so auf die Kleidung an – alle tragen Regenjacken. Aber bei den Fantasiekostümen gibt es eine Materialschlacht (Gschwendtner), viele Rollen erfordern Perücken; und Kinder, die mehrere Rollen spielen, benötigen drei unterschiedliche Paar Schuhe. Sie müssen sich mehrfach während der Aufführung umziehen, und sie werden neu geschminkt; dafür steht ein vierköpfiges Team bereit.

Auch der Bühnenbau ist aufwändig. Anders als im Piratensommer 2023 brauchen Erwachsenen- und Kinderstück jeweils andere Kulissen: Don Camillo und Peppone spielt in einer italienischen Stadt, Kalle Wirsch herrscht unter der Erde. Die nächste Herausforderung: Die Illusion zu erzeugen, dass man sich in der Unterwelt befindet, auch wenn die Sonne scheint. Gestaltete Baugerüste stehen für die unterschiedlichen Welten. Für die entsprechenden Szenen werden sie gedreht und fungieren dann als Rubinhöhle, Tropfsteinhöhle und Spinnennetz. Die Ungetüme laufen zwar auf großen Rollen, sind aber schwer. Und es sollte im aktiven Umbau, also auf offener Bühne, möglichst leicht aussehen. „Wir arbeiten dran“, sagt Gschwendtner.