Premiere vor leeren Rängen

Trotz des schlechten Wetters genossen die Theaterbesucher im Steinbruch Nestroys Possenspiel

Die Mitglieder des „Theaters im Steinbruch“ waren am Samstagabend weitgehend unter sich. Die Schauspieler gaben ihr Bestes für die Premiere des Sommerstückes – und kaum einer ging hin. Schuld war einmal der Wettergott: Nasskalt war’s. Zum anderen sorgten die Kicker für die Leere: Die Europameisterschaft lockte vor die Mattscheibe. Doch nach dem Trauerspiel der deutschen „Ballkünstler“ am Nachmittag hätte es vielen besser getan, sich beim Lustspiel von Nestroy im Steinbruch zu amüsieren.

Etwa 60 Theaterbesucher genossen den Mutterwitz in „Einen Jux will er sich machen“, den der österreichische Possendichter Johann Nepomuk Nestroy im Jahr 1842 kreierte. Der Star in den komödiantischen Verwicklungen heißt Weinberl. Und der Laienschauspieler Hans Bürkin sorgt mit Sprache und Mimik dafür, dass der satirisch angehauchte Humor der Figur beim Publikum ankommt. Jener Weinberl, Kommis und angehender Teilhaber der Gewürzkrämerei des Herrn Zangler (Rainer Ditgens), hat es in sich. Zum einen bringt er die unbedarfte Scherzfigur des etwas pummeligen kleinen Angestellten auf die Bühne. Weinberl belehrt dabei das Publikum in faszinierend humorvollen Redewendungen, was es alles auf sich hat mit dem Handelsstand und dem „Merkantilischen“, das den kleinen Mann ganz groß werden lässt.

Doch plötzlich kommt der Komödiant ins Philosophieren und nimmt Charakterzüge an, die für Nestoy typisch sind: Eine ironische Skepsis gegenüber dem menschlichem Verhalten. Nun möchte der scherzende Kleingeist eine verruchte Seite an sich entdecken. Bevor er von seinem Chef zum Teilhaber erklärt wird. Ein Jux in der nahen Großstadt soll den kleinen Ausstieg aus der Wohlanständigkeit bringen.

Damit beginnt die Posse mit Happy End, für die der Regisseur Thomas Lauer 22 Schauspieler aufbietet. Sie glänzen alle in ihren kleinen oder größeren Rollen und lassen den Zuschauer vergessen, dass mit zunehmender Dunkelheit die Beine immer kühler werden. Einen großen Anteil daran hat der zweite Star des Abends: Gunter Hauß. Er brilliert als Scherzbold Christophel, der sich im Grimassenschneiden, Stimmenspiel und Vermummen übt. Dieser Lehrbub lässt sich von Weinberl überreden, zum geplanten Jux in die große Stadt zu ziehen. Beide haben die Lacher auf ihrer Seite und ernten den meisten Szeneapplaus.

Zum humoresken Verwirrspiel mit Rollentausch gehört der „Prinzipal“ Zangler, der auf der Suche nach seiner Zukünftigen (Elsbeth Weber) ist, aber selbst sein Mündel Marie (Isabella Herdrich) dem Freier August Sonders (Jan Schmidt) nicht überlassen möchte. All das kommentiert der vorwitzige neue Hausknecht Melchior (Michael Schäfer), der auch das Publikum darauf hinweist, wann es die Schauspieler mit Applaus in die Pause verabschieden soll.

Auf das für Nestroy typische Spiel mit der Wiener Mundart hat der Regisseur verzichtet. Das Happy Ende heißt: drei Hochzeiten. Zangler heiratet seine Modewarenhändlerin. Sonders bekommt seine Marie und Weinberl hat sich eine Frau von Fischer (Doris Watzka) ergaunert. Die Prise Leidenschaft in ihrem Hochzeitskuss gehört zu den Rennern beim Szenenapplaus. Und die Moral von der Geschicht‘: Werd‘ nie zum Jux „ein verruchter Kerl“!