Zungenbrecher am Silvesterabend
Zauberer und Hexen haben es nicht immer leicht, wie es der „Wunschpunsch“ von Michael Ende zeigt. Den setzt das Emmendinger Theater im Steinbruch jetzt in Szene.
„Satanarchäolügenialkohöllisch“ – das muss man erst mal aussprechen können. Dem Team vom Theater im Steinbruch, das Michael Endes „Satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ als Winterstück probt, geht das flott über die Lippen. Dafür macht die Technik Zicken bei der ersten Durchlaufprobe für den „Wunschpunsch“. Eigentlich kein Wunder, bedenkt man, wie viel üble Zauberei die acht Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Bühne bringen…
Seit Ende September laufen die Proben, erzählt Regisseurin Simone Allweyer; seit November ging es richtig zur Sache. Der kleine Zeitpuffer, den sie wie immer in die Probenpläne eingebaut hat, wurde diesmal voll aufgebraucht – weil im Team Corona ausgebrochen war, wurde danach fast täglich geprobt. Anfangs im Vereinsheim, seit Jahresanfang nun in der Cinemaja, was erst mal eine Umstellung bedeutete; auch und gerade für die Technik. Die ist dieses Mal besonders aufwändig. „Wir können ja drinnen keine Pyrotechnik verwenden, und das bedeutet, dass wir alle Effekte mit Licht und Ton transportieren“, so Allweyer. Auch Nebel geht nicht, der würde die Rauchmelder irritieren. Aber die Geräuschkulisse und die Lichteffekte sind beeindruckend. Der Hilferuf „Text“ kann einen Moment Probleme bereiten; zu dunkel, antwortet Regieassistentin Daniela Muser. Einen Vorhang gibt es ebenfalls nicht – das ist fast so wie im Steinbruchtheater.
Warum den „Wunschpunsch“? Ende hat das Stück 1988 geschrieben, aber das Thema – Wissenschaft und Wirtschaft wirken zum Schaden der Umwelt zusammen – sei aktuell und passe in die Zeit, sagt Allweyer. Außerdem seien ihr Mann und sie Michael-Ende-Fans, sie haben ihren Kindern gern die Bücher des 1995 verstorbenen Autors vorgelesen. Bei dieser Aufführung spielt auch bisschen Familiengeist mit: Clemens Allweyer hat eine kleine Rolle, Sohn Lorenz Allweyer trainiert die „Kämpfer“ Rabe und Kater. Dabei sind es diese beiden Geheimagenten des Rats der Tiere, die die Welt retten sollen – vor den Machenschaften des bösen Wissenschaftler Beelzebub Irrwitzer und dessen nicht minder fieser Tante, die Geldhexe Tyrannja Vamperl. Die beiden sind im echten Leben Tochter und Vater, den Beelzebub spielt Franziska Bosch und die Hexe Etienne Pfundheller.
Und sie stehen am Silvestertag mächtig unter Druck, haben sie doch ihr Soll an bösen Taten nicht erfüllt: keine zehn Tierarten ausgerottet, keine fünf Flüsse vergiftet, keine neue Seuche in die Welt gesetzt… Vor der höllischen Rache kann sie nur noch der Wunschpunsch retten, den sie wohl oder übel gemeinsam herstellen müssen. Doch auch Kater und Rabe raufen sich zusammen. Die Tiere fungieren als Sympathieträger gerade für die Kinder im Publikum – dunkle Gestalten hat es auf der Bühne schließlich genug.
All das ist in dieser Inszenierung verpackt in jede Menge Witz. „Wir wollten keinen erhobenen Zeigefinger, sondern es ist uns wichtig, die Leute zu unterhalten“, sagt Simone Allweyer dazu. Die Musik arbeitet mit klassischen Elementen, macht Anleihen bei Ludwig van Beethoven, Richard Wagner, Carl Zeller und sogar beim Musical Mary Poppins. Das Kinderstück mit Erwachsenen zu spielen, hat die Regisseurin besonders gereizt. Allweyer freut sich über ihr stark motiviertes Ensemble, und auch die beiden Techniker „waren zu allen Schandtaten bereit“ – von zusätzlichen Strahlern bis hin zum Kirchturm auf der Bühne, spielt doch der mitternächtliche Glockenschlag eine entscheidende Rolle. Und das Auge für Details, das hier jeder mitbringt.