Toller Start in den Piratensommer
Erwachsen werden will Peter Pan niemals. Das wäre nämlich langweilig – und langweilig wird es sicher nicht beim Kinderstück des Theaters im Steinbruch, das am Sonntag Premiere feierte.
Dafür legen sich die 20 Schauspielerinnen und Schauspieler zwischen neun und 30 Jahren mit Regisseurin Silvia Gschwendtner mächtig ins Zeug – mit Riesenerfolg. Die Premiere am Sonntag war schon zu Wochenbeginn ausverkauft, es gibt häufig Szenenapplaus, und der Schlussapplaus will kaum enden: Der Auftakt zum „Piratensommer“ ist rundum geglückt.
Im Stück treffen Welten aufeinander. Da ist das gutbürgerliche Zuhause der Familie Darling, dessen Familienoberhaupt (Lucas Meier) ein rechter Pfennigfuchser ist, leicht cholerisch obendrein und sich nie so richtig beachtet fühlt, auch nicht von seiner patenten Frau (Laura Hösl). Tja, und dann sind die teuren Kinder plötzlich weg und die Reue groß, schließlich hat Mr. Darling selbst das vierbeinige Kindermädchen Nana an die Kette gelegt. Der Plüschhund guckt richtig traurig drein.
Dann ist da Nimmerland, das Land der Fantasie. Vor allem geht es dort aber gefährlich zu. Denn auf die verlorenen Kinder, die sich bei dem leichtlebigen Peter Pan (Emma Kottmeier) recht wohl fühlen, hat es der Piratenkapitän Hook (Johannes Wipfler) abgesehen. Als Peter Pan die zupackende Wendy (Marie Schmidt) als Mutter für die kleine Schar mitbringt, will sein Gegenspieler die gleich dazu. Ein absolut fieser Kerl ist das, den Johannes Wipfler da als Captain Hook zeigt; und der hält sich für den einzigen Piraten mit guten Manieren! Seine wilde Schar besteht aus echten Rabauken, etwas begriffsstutzig, stets zum Dreinschlagen bereit – da könnte man fast vergessen, dass das Ganze einer ausgeklügelten Choreografie folgt.
Dazu gibt es viele lustige Szenen. Da hat Smee (Ben Wissert) mit seinen Wortspielen alle Lacher auf seiner Seite, aber ebenso die Anführerin der Amazonen (Maja Kesselring) und der schön angeberische Peter Pan bei ihren verbalen Hahnenkämpfen. Er hat mit einem Trick ihre Tochter vor den Piraten gerettet und nun die Amazonen auf seiner Seite; und die braucht er dringend! Ja, auf der Bühne geht es zur Sache, es werden sogar Gefangene gemacht. Und fast hätte Hook gesiegt.
Jede Szene steckt voller Ideen. Zum Beispiel die mit Peter Pans Schatten: Wie kann Maja Kesselring nur mit so viel schwarzem Stoff vor Augen die Bewegungen Peter Pans nachvollziehen? Aber es funktioniert. Gespielt wird temperamentvoll und so lebendig, dass die jungen Zuschauer in die Geschichte eintauchen und schnell mitkriegen, wie das Krokodil (geheimnisvoll-verführerisch, raffiniert und souverän: Emma Muser) tickt. Und sie helfen begeistert mit, wenn es gilt, die Elfe Tinkerbell (Josephine Blust, mal überzeugend eifersüchtig und gemein, dann aufopfernd, aber nie um einen Spruch verlegen) zu retten. Wenn alle Kinder zusammenhalten, dann klappt das.
Gesang ist ein Schwerpunkt bei diesem Stück – ein Wagnis, aber es gelingt und verleiht ihm bei allen Intrigen und Kampfgetümmel Leichtigkeit und den Rollen Profil. Emma Muser als Krokodil, Josephine Blust als Elfe Tinkerbell, Lucas Meier als Mr. Darling und Johannes Wipfler als Captain Hook sind hörens- und sehenswert. Die Darsteller spielen in der heißen Sonne, zum Teil in schwerer Montur; Wasserflaschen sind in der Pause Trumpf und Flyer dienen als Fächerersatz. Erhitzt, aber glücklich und strahlend stehen alle nach dem gut zweistündigen Spiel vor ihrem Publikum. „So was haben wir noch nie auf die Bühne gebracht“, zitiert Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler Eindrücke von Gästen der Generalprobe. Stimmt. Zwei kleine Gäste bringen es auf den Punkt: Sie fanden einfach alles toll. Diese Aufführung zieht Groß und Klein in ihren Bann.