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Noch einmal Sam: Woody Allen als Theater im Kino

Das neue Saalstück des Theaters im Steinbruch startet im Januar.

Woody Allen als Theater im Kino. Das klingt etwas verwirrend, ist es aber nicht. Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums startet das Theater im Steinbruch Emmendingen mit einem Saalstück in die Saison 2011. Spielort wird er Theatersaal der Cine-Maja sein. Woody Allens “Spiel’s nochmal, Sam” kommt dort am 12., 13., 14. und 15. Januar um 20.30 Uhr zur Aufführung.

Die mit komischen Einfällen und witzigen Dialogen gespickte Komödie des amerikanischen Autors, Schauspielers und Regisseurs ist geradezu für eine Aufführung auf der Bühne des neuen Emmendinger Kinos Cine-Maja prädestiniert. Denn Allens Stück ist eine Hommage an “Casablanca”, das unerreichte Meisterwerk des alten Gefühlskinos mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann.

Zum Inhalt: Immer wieder sieht sich der Filmkritiker Allan Felix in seiner New-Yorker Wohnung den Film “Casablanca” an und bewundert sein Idol Humphrey Bogart dafür, wie souverän er mit Frauen umgehen kann. Das Gegenteil ist bei Allan Felix der Fall. Seine Frau hat ihn verlassen, die Ehe mit ihm war ihr zu langweilig. Allans bester und wohl auch einziger Freund Dick und dessen Frau Linda wollen ihm helfen. Sie bringen Allan immer wieder mit Frauen in Kontakt. Und Allan hat noch einen weiteren Helfer. Ständig taucht in seiner Vorstellung Humphrey Bogart auf, der ihm praktische Tipps zum Umgang mit Frauen gibt. Leider kann Allan die Ratschläge dieses raubeinigen Verführers nur in der Fantasie, aber nicht in der Realität umsetzen.

Wegen seiner neurotischen Tollpatschigkeit enden seine Annäherungsversuche ans weibliche Geschlecht regelmäßig in einem Desaster. Doch plötzlich ist sie da, Allens Chance als Verführer und Liebhaber – nur ganz anders als er sich das vorgestellt hatte. “Spiel’s nochmal, Sam” ist für Kino- und Theaterfreunde gleichermaßen ein Leckerbissen, der die Zuschauer nicht nur bestens unterhält, sondern auch noch eine praktische Lebenshilfe für den Alltag bereit hält: “Sei einfach du selbst!”

Badische Zeitung, 08.12.2011

“Wir haben versucht, den Look der 40er Jahre nachzuempfinden”

BZ-INTERVIEW mit Michael Kraus und Moritz Vogel (Technik und Filmclips) zur bevorstehenden Theateraufführung von “Spiel’s nochmal Sam” in der Cinemaja.

Neben dem Sommerstück führt das Theater im Steinbruch regelmäßig auch ein Winterstück auf. Dieses Jahr zum ersten Mal in Kooperation mit dem Kino Cinemaja in Emmendingen. Gezeigt wird “Spiel’s nochmal Sam” nach der Komödie von Woody Allen. BZ-Mitarbeiterin Anna Schughart sprach mit Michael Kraus und Moritz Vogel, die für die Technik und die Filmausschnitte zuständig sind.

BZ: Worum geht es in “Spiels nochmal Sam”?

Kraus: Das Stück handelt von Allan Felix, einem Filmkritiker und großem Fan von “Casablanca”. Im realen Leben hat er allerdings große Probleme mit seinen Beziehungen zu Frauen.

Vogel: Und da kommen die Figuren wie zum Beispiel Humphrey Bogart (Schauspieler des Protagonisten Rick Blaine in “Casablanca”) ins Spiel. Sie treten in Traumsequenzen mit ihm in Kontakt und geben ihm Tipps und Ratschläge.

Kraus: Einen Teil dieser Tagträume wird aber nicht von den Schauspielern gespielt, sondern per Videosequenz auf die Bühne projiziert. Das Besondere ist dann, dass die Schauspieler mit den Figuren des Filmausschnittes interagieren.

BZ: Wie kam es zu dieser Idee?

Vogel: Die Idee mit den Einspielungen stammt von der Regisseurin Simone Allweyer. Wir haben uns dann mit ihr zusammengesetzt und ausgearbeitet, welche Szenen wir gerne als Film hätten. Nachdem wir die Szenen ausgewählt hatten, mussten wir überlegen, welche Bildausschnitte, Kameraeinstellungen und Lichtkonzepte wir verwenden.

Kraus: Dann haben wir vier Abende á fünf Stunden mit den Schauspielern gedreht. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Drehort war das Kino und dort haben wir einmal sogar mit unserer Nebelmaschine Feueralarm ausgelöst.

BZ: Wie sehen die Filmclips aus?

Vogel: Der Hauptdarsteller des Stücks, Allan Felix, ist ja ein großer “Casablanca”-Fan. Beim Drehen haben wir versucht, den Look der 40er Jahre nachzuempfinden. Das heißt zum Beispiel harte Schatten und starkes Licht.

BZ: Welchen Effekt haben die Filmeinspielungen?

Kraus: Die Darsteller in den Filmausschnitten sind größer, schauen auf Allan Felix herab und wirken deshalb als stünden sie über den Dingen. Das zeigt deutlich, dass sie nicht in der Realität sind, sondern eine Traumwelt durchqueren. Teilweise treten die Figuren sowohl im Film als auch auf der Bühne auf. Wo sie sich gerade befinden, zeigt auch ihre Distanz oder Nähe zu Allan Felix.

BZ: Wie kamt ihr zu dieser Aufgabe?

Kraus: Ich bin seit neun Jahren für Licht- und Tontechnik beim Theater im Steinbruch verantwortlich.

Vogel: Ich habe früher als Kind beim Theater mitgespielt. Jetzt studiere ich audio-visuelle Medien mit Spezialisierung auf Film und Fernsehen. Momentan drehe ich meinen Abschlussfilm für die Bachelorarbeit. Da war es schön, zurück zu den Theaterwurzeln zu kommen und etwas abseits vom Unileben zu machen.

Kraus: Wir haben natürlich sehr von seinen Erfahrungen profitiert.

BZ: Ist die meiste Arbeit für euch damit getan?

Vogel: Für mich im Prinzip schon. Ich werde nur noch als Zuschauer in einer Aufführung sitzen.

Kraus: Ich bin neben dem Einspielen der Filmsequenzen auch noch für Licht und Ton während der Aufführung zu ständig. Das heißt, ich mache den gleichen Lernprozess wie die Schauspieler durch. Auch ich muss den Text genau kennen, um zu wissen, wann die einzelnen Einsätze sind. Ich bin also jeden Tag bei den Proben.

BZ: Was erwartet die Zuschauerin, den Zuschauer also bei “Spiel’s nochmal Sam”?

Kraus: Es ist ein sehr kurzweiliges und turbulentes Stück.

Vogel: Es spricht sicherlich nicht nur Theater-, sondern auch Filmfreunde an. Schließlich ist das Thema Film stark in das Stück integriert.

Badische Zeitung, 04.01.2012

Von Woody Allens Ideen inspiriert

Theater im Steinbruch spielt in der CineMaja sein Winterstück

In wenigen Tagen startet die Aufführung des Theaterstücks “Spiel’s nochmal, Sam” des amerikanischen Regisseurs Woody Allen. Die Amateurschauspieler des Theaters im Steinbruch haben ihr Winterstück witzig und turbulent inszeniert.

Das Team um die Regisseurin Simone Allweyer steckt in den letzten Vorbereitungen und begeistert bereits bei der Probe. Wie eine Geisterbeschwörung klingt es, wenn Benedikt Bachert (Emmendingen) mit den Schauspielern Stimmbildung übt: “Hummm”, “hammm”, “himmm”. “Nehmt einen bequemen Stand ein, der Körper muss locker sein. Offene Brust, offener Rücken, damit die Luft gut fließen kann”. Dann setzt er zur Sprechübung an: “Hole Heinrich hier hohe Halme”, “Klip Plap Blick Glick”. Außerdem gibt er Tipps zur richtigen Aussprache: “Achtet darauf, dass ihr Wörter mit ’ig’ am Ende als ’ch’ richtig aussprecht”. Auch die Regisseurin Allweyer erinnert das Theaterensemble an die richtige Artikulation. “Denkt an die Laute und sprecht deutlich – vor allem in turbulenten Szenen”.

Für die Probe wird das Stück von Anfang bis Ende einmal durchgespielt, zwischendurch flüstert die Regisseurin den Schauspielern kleine Anmerkungen zu. Wichtig seien ihr in den letzten Proben vor allem Subtexte, Aussprache und Rhythmus. Um die Gruppe auch in späten Abendstunden fit zu halten und die Atmosphäre aufzulockern, ergänzt Allweyer die Probe mit Energizern (Aktivierungsspiele), die die Konzentration steigern und wach machen. “Schüttelt und klopft eure Arme, Beine, Oberschenkel und Füße”. Es folgt eine schnelle La Ola-Welle. Danach stellen sich die Schauspieler in einer Reihe auf und massieren die Schultern des Vordermannes.

“Seit Oktober proben wir dreimal in der Woche”, erzählt Allweyer. Die Probe läuft flüssig ohne Hänger, nur noch einzelne Lichteinstellungen und organisatorische Fragen sind zu klären. Wer braucht noch Plakate zum Aufhängen? Wo sind für den Fall der Fälle Aspirintabletten? Stimmt die Farbe des Jacketts? Letzte Tipps gibt’s auch für die Tangoszene zwischen “Linda” und “Allan”.

Improvisation bei unerwarteten Hindernissen gehört ebenfalls zu den Proben. Anja Futterer, die im Stück die Gina und eine Discobekanntschaft spielt und sich sehr schnell umziehen muss, kann nicht pünktlich zu einer Discoszene erscheinen. “Ich kam nicht in den Theatersaal, weil die Hintertür verschlossen war”, schmunzelt sie. Macht nichts, dann springt eben schnell die Kollegin ein und schwingt stattdessen auf der Cine-Maja-Bühne die Hüften. “Insgesamt bin ich sehr zufrieden”, freut sich Simone Allweyer. Besonders wichtig ist ihr die Botschaft des Stücks: “Sei du selbst, dann ergibt sich das mit den Frauen von ganz alleine”. Denn das Stück entwickelt seine Dynamik, weil laut Inhalt Allan Felix (Gunter Hauß), ein Filmkritiker und Fan von “Casablanca”, allerhand Probleme mit Frauen hat. Wie sich das Szenario entwickelt, dürfte dem Publikum viel Vergnügen bereiten.

Badische Zeitung, 09.01.2012

Träume des Alltags

Höchst amüsant und unterhaltsam: “Spiel’s nochmal, Sam” mit dem Theater im Steinbruch.

Es war eine doppelte Premiere und alles gelang ganz ausgezeichnet. Mit der Komödie “Spiel’s noch mal, Sam” eröffnete das Ensemble vom Theater im Steinbruch seine Spielsaison im Winter. Und erstmals trat es auf der Maja-Bühne des neuen Kinos Cinemaja in der Steinstraße auf. Die Premierengäste im restlos ausverkauften Saal waren begeistert und bedankten sich bei den Amateurschauspielern mit lange anhaltendem Applaus für einen kurzweiligen und launigen Abend. Passen Woody Allen und eine Komödie zusammen? Ja und wie, denn dieser Mann kann sich − wie kaum ein anderer − im Weinen noch ein Lachen sehen. Ein bisschen Stadtneurotiker muss allerdings dann in den einzelnen Rollen mit dabei sein, was ganz und gar auch so ist. Ganz vorneweg die Hauptdarsteller Allan (Gunter Hauß), Linda (Stephanie Pleuler) und deren Ehemann Dick (Michael Schäfer).

Es ist August in New York und ihre beiden Psychiater haben Urlaub. Nun müssen sie ihre Probleme alleine bewältigen. Allan wurde von seiner Frau verlassen, weil es ihr zu langweilig an seiner Seite wurde. “Ich wurde wegen unbefriedigtem Lachen verlassen”, beklagt er sich bei seinem Freund Dick. Die Gäste im Saal sind belustigt, denn der Sprachwitz der Komödie ist zwar bitterer Alltag, aber urkomisch arrangiert und umgesetzt. Immer schön auf dem Teppich bleiben, sagt er, auf dem Boden liegend.

Hier zeigt sich immer wieder die geschickte Regie von Simone Allweyer, welche die menschlichen Nöte und Abgründe nur um einen Hauch überzog und damit eine komische Wirkung erzielte. Wer hat sich nicht schon genau so oder ziemlich ähnlich blamiert wie dieser Allan? Jeder Mann will der perfekte Verführer und Liebhaber sein. Dumm nur, wenn die Vorbilder zu groß oder fremd für das eigene Leben sind.

Als Filmkritiker ist Allan ein Fan von Humphrey Bogart und dem Klassiker “Casablanca”. So ein maskuliner, sinnlicher und roher Typ will er sein − dann klappt das schon mit den Frauen. Die Filme und Tagträume nehmen viel Platz in Allans Leben ein. Immer, wenn er Frauen trifft, ist er in seinen Träumen ganz souverän. Doch weder das Rauchen noch das Whiskytrinken bekommen Allen. Auch das großspurige Reden über Dinge, die er nicht versteht, ist peinlich und vertreibt die Frauen. Linda rät ihm immer wieder, “sei Du selbst”. Zwar kann sie das bei sich selbst nicht umsetzen, doch sie ist ihm eine wertvolle Freundin. Die Irrungen, Wirrungen und Verführungen nehmen ihren Lauf und enden doch mit einem positiven Ausblick in die Zukunft. Allan findet seine eigene Weise, Frauen für sich zu gewinnen und auf sich selbst zu vertrauen.

Die Dynamik im Spiel ist beeindruckend. Für die Schauspieler bedeutet das höchste Konzentration, denn das Spiel und damit oft auch die Kleidung wechseln rasend schnell zwischen Realität und Tagtraum. Doch genau von diesem Tempo lebt die Komödie, zeigt es doch auf aberwitzige Weise, dass diese beiden Dinge rein gar nichts gemeinsam haben. Auch der gekonnte Wechsel von Filmsequenzen, eingespielter Musik und selbst gedrehten Filmausschnitten verdeutlichen diese Diskrepanz. Alle architektonischen Möglichkeiten des Saals werden genutzt. So wird die Fluchttreppe mit Podest der Tisch für die Tänzerin der Disco und Allan geht quer durch den Saal, um mit ihr zu tanzen. Das Bühnenbild ist wie im Filmklassiker “Casablanca” in Schwarz-weiß gehalten und wirkt elegant und zeitlos. Über all dem schwebt das große Portrait von Humphrey Bogart mit seinem Hut. Die unterschiedlichen Medien harmonieren miteinander und die Maja-Bühne hat genau die richtige Größe, um den Zuschauer in die Vorstellung hineinzuziehen. Diese gelungene Premiere des Steinbruch-Ensembles im Winter sollte ein Anfang sein für viele genauso schöne Vorstellungen wie die Komödie “Spiel’s noch mal, Sam”. Dafür klatschten sich die Gäste bei der Premiere am Donnerstagabend die Hände fast wund.

Info: Gespielt wird nochmals am heutigen Samstag und morgen am Sonntag, 15. Januar. Allerdings sind beide Vorführungen ausverkauft.

Badische Zeitung, 14.01.2012