Presse

Tanz, Gesang und Streit bei „Piroschka“

Gut besuchtes Theater im Steinbruch bei der Premiere

Seit Samstag herrscht wieder Leben im Theater im Steinbruch, denn ein neues Stück feierte Premiere. „Piroschka“ soll die Zuschauer in einzigartiger Atmosphäre zum Lachen bringen, was am ersten Aufführungstag schon gut funktionierte.

Schon die Begrüßung durch den Vorsitzenden Hans-Joachim Wipfler sorgte für Schmunzeln unter den Gästen, denn diese hielt er auf einer Getränkekiste stehend, um für alle sichtbar zu sein. Erschienen waren auch  Oberbürgermeister Stefan Schlatterer, sein Vertreter Joachim Saar sowie einige Mitglieder des Stadtrats. Zur  Eröffnung einer Premiere spielte der Fanfarenzug Hachberger Herolde. „Piroschka“, nach dem Roman von Hugo Hartung unter der Regie von Simone Allweyer, spielt im Jahre 1925 in Ungarn, wo Austauschstudent Andreas (Gunter Hauß) in das kleine Örtchen Hódmezövásárhelykutasipuszta reist. Dort lernt er Margit Rász (Beate Arnold) und Istvan Rász (Clemens Allweyer) kennen, die dem Deutschen die ungarischen Bräuche und Sitten näher bringen möchten. Piroschka (Juliana Bachert) übernimmt die für sie sehr angenehme Aufgabe, dem jungen Mann Ungarisch beizubringen, denn die Tochter des Bahnhofvorstehers hat schon früh ein Auge auf ihn geworfen. Da Andreas aber auf der Fahrt nach Ungarn Bekanntschaft mit Greta gemacht hat, geht er nicht auf Piroschkas Annäherungen ein und besucht stattdessen die attraktive Deutsche am Balaton. Ärger ist vorprogrammiert, als Piroschka dem Austauschstudent nachreist. Doch für wen entscheidet er sich am Ende? In dem Stück wird nicht nur gesungen und getanzt, es kommt auch zu Streitereien. Allerdings immer so, dass der Zuschauer zum Lachen und so Abwechslung hineingebracht wird.

Pünktlich zur Eröffnung zeigten sich auch die ersten Sonnenstrahlen des Abends.

Emmendinger Tor, 23.06.2010

Ein faszinierendes Stück ungarischer Lebensfreude

 Im Theater im Steinbruch hat am Samstag die Komödie “Piroschka” Premiere

Am Samstag, 19. Juni, hat im Theater im Steinbruch die Komödie „Piroschka“ nach dem Roman von Hugo Hartung Premiere. Zur Ouvertüre spielt um 19.30 Uhr der Fanfarenzug Hachberger Herolde, das Theaterstück beginnt um 20 Uhr.

„Piroschka“ wird von der Emmendinger Kulturpreisträgerin Simone Allweyer inszeniert, die viele Jahre lang beim Kinderstück des Theaters im Steinbruch Regie geführt hat. Den umgekehrten Weg ist die Regisseurin des letztjährigen Abendstücks Isabell Steinbrich gegangen: Sie zeichnet diesmal für das Kinderstück „Rabatz im Zauberwald“ verantwortlich, das am Sonntag, 27. Juni, Premiere haben wird.

Die Komödie „Piroschka“ spielt in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichte eines deutschen Austauschstudenten in Ungarn, den es in den kleinen Ort Hódmezövásárhelykutasipuszta verschlägt. Das Publikum erhält gleich zu Beginn Gelegenheit, die richtige Aussprache dieses Ortsnamens zu üben, und bekommt auch sonst einiges von der fremden Sprache mit. Das Stück trotzt dem Zeitgeist, wenn statt Vuvuzelas ein Tárogató ertönt, eine Art Klarinette, gespielt von Igor Murye von der Stadtmusik Emmendingen. Inmitten der ungarischen Lebensfreude wirkt der deutsche Austauschstudent am Anfang etwas verloren. Als er sich an die fremde Sprache, die unbekannten Sitten und an Haustiere gewöhnt hat, wartet indes eine noch größere Herausforderung auf ihn: Er muss mit seinem Liebesleben ins Reine kommen. Eigentlich begehrt er die attraktive Greta, doch die weist ihn zurück. Die Avancen des Landmädchens Piroschka sind ihm dagegen eher lästig. Aber es ist wie so oft im Leben: Am Schluss gewinnen die Frauen.

Wie so manche Veranstaltung im Freien in diesem regenreichen Frühjahr haben auch die Proben im Theater im Steinbruch gelitten. Aber nun ist alles bereit für eine großartige Premiere, und die Laienschauspieler brennen darauf, die Zuschauer aus dem Alltag zu entführen und an einer einzigartigen Atmosphäre teilhaben zu lassen.

Emmendinger Tor, 16.06.2010

Bühnenbau als Herausforderung

BZ-INTERVIEW mit Benedikt Bachert und Michael Kraus vom Theater im Steinbruch über die Vorbereitung der neuen Saison.

Am 19. Juni beginnt die Theatersaison beim Theater im Steinbruch mit der Premiere des Erwachsenstückes “Piroschka”. Bis es soweit ist, müssen nicht nur die Schauspieler schwitzen, auch die Technik ist gefordert, denn das Bühnenbild entsteht in diesem Jahr völlig neu. Es braucht ein offenes Feuer sowie ein Lebkuchenhaus, das auch als “Gerippe” überleben kann. Sylvia-Karina Jahn sprach mit den beiden Technik-Spezialisten, dem Abiturienten Benedikt Bachert (19) und dem Elektrotechnik-Studenten Michael Kraus (27).

BZ: Wie sind Sie zu Ihrem Hobby Theater gekommen?

Bachert: Ich bin vor elf Jahren mit größter Begeisterung zum Theater gekommen, meine Mutter gab den Anstoß dazu; damals wurde noch Kinder gesucht, die mitmachen, heute ist der Zulauf ohnehin groß. Theater ist mein Leben: Ich spiele parallel im Erwachsenenstück, bin in der Theater-AG des Goethe-Gymnasiums und führe Regie im Abi-Theater.

Kraus: Vor sieben Jahren kam Gunter Hauß zu mir, den ich kannte, und sagte, das Theater brauche eine neue Tonanlage. Dann ging es sehr schnell: Ich habe sie gekauft und aufgestellt und danach war ich als Techniker fest gebucht.

BZ: Und warum sind Sie in der Technik gelandet beziehungsweise dabei geblieben? Im Rampenlicht stehen ja die anderen.

Bachert: Meine Mutter wollte, dass ich für ein Jahr mit dem Schauspielen aussetzte, und da dachte ich, die Technik wäre ein Weg, hintenrum doch dabei zu sein. Und dann war ich fasziniert davon, was man da machen konnte. Ich durfte mich im Kinderstück austoben, gespielt wurde gerade Jim Knopf. Dabei bin ich dann geblieben.

Kraus: Mich hat schon immer alles interessiert, was mit Strom, Licht und Pyrotechnik zusammenhängt. Das kann ich beim Theater im Steinbruch ausleben und ich bekomme dort die Mittel dazu. Außerdem habe ich viele Freunde dort gefunden – das gefällt mir.

BZ: Aber es ist ein recht aufwändiges Hobby. Wie viel Zeit investieren Sie dafür?

Bachert: Das haben wir nie gezählt! Wir sind jeden Samstag von 10 bis 17 Uhr beim Bühnenbau. Dazu kommen pro Woche drei Proben, macht neun bis zehn Stunden. Wenn es auf die Aufführungen zugeht, wird täglich geprobt. Ja, und in der Saison dann vier bis fünf Vorstellungen pro Woche.

BZ: Gibt’s da nicht mal eine Pause?

Kraus: Der Bühnenbau arbeitet das ganze Jahr über. Was kaum jemand sieht: Im Winter müssen wir das Gelände unterhalten, Laub wegfegen, finden aber auch Zeit, unsere Sachen zu sortieren. Da läuft die Arbeit schon mal auf Standgas. Aber ab März, April wird es wieder ernst und die letzten vier Wochen vor den Premieren geht es dann richtig ab.

BZ: Wie viele Helfer haben Sie denn?

Kraus: Meist sind zehn bis 15 Leute da, wer halt Zeit hat, auch Schauspieler oder Eltern. Da kommen viele verschiedene Leute mit ganz unterschiedlichen Talenten; erst das Zusammenspiel aller gibt ein Bühnenbild.

Bachert: Wir versuchen auch, die Kinder einzubinden, sie können so den Umgang mit Werkzeug lernen. Das Floß aus dem Kinderstück im vergangenen Jahr durften sie selbst bauen – sie sehen, was das für eine Arbeit ist, und gehen dann gleich ganz anders mit den Requisiten um.

BZ: Jedes Stück ist anders.Wo liegen in diesem Jahr die technischen Herausforderungen?

Kraus: Für das Erwachsenenstück benötigen wir eine Windmühle, eine Schranke und Bahnsignale, die alle funktionieren sollen. Außerdem müssen wir so ziemlich alle Gebäude neu bauen, denn wir spielen diesmal mit offener Mitte und lassen den Blick auf den Steinbruch frei.

Bachert: Zudem wollten beide Regisseure einen Surround-Sound, so dass wir zwei neue, zusätzliche Lautsprecher installiert haben. Für das Kinderstück braucht der böse Zauberer Werkzeug, ein Labor, und wir arbeiten mit Nebel und abends mit Licht und Farben.

BZ: Wie finden Sie die Lösungen für immer neue Anforderungen?

Kraus: Das ist der schwierigste Teil und mein Job. Die Regisseure überlegen sich Bühnenbildentwürfe und wir müssen dann schauen, was realisierbar ist. Schließlich müssen beide Bühnenbilder, das für die Kinder und das für die Erwachsenen, mit geringem Aufwand ineinander übergehen, und es muss finanziell für uns machbar sein. Da muss ich Kompromisse machen. Ein Beispiel: Für Piroschka brauchen wir das Anwesen der Familie Csiky, ein Bauernhaus. Relativ spät erfuhren wir dann, dass für das Kinderstück an jener Stelle ein riesiges Gebirge geplant ist. Also arbeiten wir mit herausnehmbaren Dächern und bauen Felsen aus Stofftüchern und Draht, die leicht wieder wegzutragen sind.

BZ: Was war denn bisher die schwierigste Aufgabe?

Kraus: Das war die ferngesteuerte Lok “Emma” von Jim Knopf.

BZ: Sie suchen ja immer wieder Helfer. Müssen die besonderes Geschick mitbringen?

Bachert: Wer Lust hat mitzuarbeiten, ist immer willkommen. Es gibt genügend Mitglieder, die handwerklich nicht so geschickt sind, aber wir haben so viele Aufgaben, da findet jeder etwas, das er kann und das ihm Spaß macht. Wer das möchte, kann aber auch an kostenlosen Schulungsmaßnahmen des Landesverbandes teilnehmen. Wir beide haben beispielsweise so eine Schulung in Ton- und Lichttechnik gemacht.

Info: Wer mitarbeiten möchte, findet die Techniker jeden Samstag ab 10 Uhr im Theater im Steinbruch an der Steinstraße oder kann sich unter info@theater-im-steinbruch.de anmelden.

– Wer das fertige Ergebnis bewundern will: Das Erwachsenenstück “Piroschka” hat am Samstag, 19. Juni, 20 Uhr Premiere, das Kinderstück “Rabatz im Zauberwald” am Sonntag, 27. Juni, 16 Uhr.

Badische Zeitung, 27.05.2010

Amateurtheater als Herzenssache

Premiere mit “Piroschka” hat das Theater im Steinbruch am Samstag und die Besucher dürfen sich auf ein temperamentvolles Stück mit ein wenig Romantik und einem guten Schuss Schmalz und einer gehörigen Portion Wehmut freuen: Ein Abend fürs Herz!

Wer kennt es nicht, das Lied der temperamentvollen Juliska aus Budapest aus Fred Raymonds “Maske in Blau”? Wenn Jasmin Baumgratz es durch das Naturtheater an der Steinstraße klingen lässt, fühlt man sich auf eine Operettenbühne versetzt. Doch wir sind beim Theater im Steinbruch, für das Simone Allweyer die “Piroschka” nach dem gleichnamigen Roman von Hugo Hartung in Szene setzt. Und ein Probenbesuch verrät: Das wird ein Abend, der keinem Ruhe lässt… Doch vor den Applaus haben die Theatergötter viel Probenschweiß gesetzt, und den vergießen die 17 Akteure – der jüngste ist neun Jahre – seit dem Winter bei Spieltraining, Leseproben und einem Hüttenwochenende. Im März begannen die Szenenproben; da ist zwar nicht jeder jedes Mal dabei, aber drei Mal pro Woche finden sie statt. Dazu kommt die wöchentliche Csardasprobe mit Heidrun Schöne. Nun folgt der Endspurt: Seit zwei Wochen leben die Schauspieler praktisch im Naturtheater, das sich jeden Abend in die Puszta verwandelt. Genauer gesagt, in Hódmezövásárhelykutasipuszta. So heißt das Dörflein, in dem sich Austauschstudent Andreas und Piroschka, die Tochter des Bahnhofsvorstehers, begegnen.

Derzeit arbeitet Simone Allweyer, die seit zwei Jahren eine Ausbildung bei der Freiburger Schule “Spielraum” in Theaterpädagogik macht, bisher gut 16 Kinderstücke inszeniert hat und an der Markgrafen-Hauptschule mit Schülern, am Feinschliff. Mit Argusaugen wacht sie über die Details. Genau wird besprochen, wer wann abgeht und ob die Braut ’rumalbern darf, obwohl der Künftige zuschaut (ja, “ihr seid ja noch nicht verheiratet!”). Dafür gibt’s eine große Hochzeitsszene, die nicht in der Komödie steht – eine der drei großen Szenen, die für die Regie eine besondere Herausforderung darstellen. Gerade wenn alle auf der Bühne sind, darf das nicht gestellt oder gar gestelzt aussehen, sondern es muss Leben und Herz hinein – und das heißt, dass es eigentlich keine Nebenrolle gibt: Wer auf Rasen oder Brettern steht, muss präsent sein im doppelten Sinne, muss die Figur leben lassen, die er im Stück gibt.

Alle haben bei Maria Hornung Ungarisch gelernt, obwohl die wesentlichen Texte deutsch sind. Aber: “Die Ungarn im Hintergrund können nicht deutsch reden, die Sprache gibt dem Ganzen Herz”, sagt Allweyer.

Die offene Bühne im alten Steinbruch ist bei “Piroschka” ein besonders Plus. Der Blick geht in die Weite, es gibt Hingucker wie Windmühle, Schranke und Signal für den Bahnhof, Platz für den Plattensee und für die Hochzeitsgesellschaft.

Improvisiert werden muss schon noch in diesen Tagen vor der Premiere. “Und Licht!” ruft Simone Allweyer – nichts passiert. Dafür setzt die Musik ein – nur ist es leider noch die falsche. Macht aber nichts, die Regisseurin ersetzt erst mal das Lichtsignal, indem sie die Akteure auf die Bühne holt. Schließlich warten die doch auf den Zug, der den deutschen Austauschstudenten Andreas pünktlich (also mit nur 20 Minuten Verspätung) nach Hódmezövásárhelykutasipuszta bringt (wetten, dass die Fans den Namen nach der Aufführung aussprechen können?) Sein erstes Treffen mit Piroschka steht unter keinem guten Stern, wegen Luna (einer sanften Labrador-Hundedame, die Allweyers Vater gehört und 18. Darsteller ist). Das Paar bleibt getreu der Romanvorlage auch nicht beieinander – aber gejubelt und gefeiert wird einfach mitreißend. Tipp: Unbedingt angucken!

Badische Zeitung, 16.06.2010

Die Puszta am Steinbruch

Eine gelungene eigene Fassung des Erfolgsstücks “Ich denke oft an Piroschka” inszenzierte Simone Allweyer am Theater im Steinbruch. Am Samstag Abend war Premiere.

Ihr Augenaufschlag ist keck, sie lacht gerne und hat Paprika im Blut. Dieses ungarische Mädchen Piroschka (Juliana Bachert) und ihre natürliche Schönheit gefallen sofort. Da tut sich der etwas unbeholfene, penible Student Andreas (Gunter Hauß) aus dem Deutschland der Zwanziger Jahre schon schwerer. Er ist Besserwisser in Knickerbockern und doch der Dümmere.

Ein Spiegel, in den wir nicht so gerne sehen. Da gewinnt das breite Grinsen von Sándor deutlich schneller. Eigentlich macht er vom Postboten, Signalsteller, Aufpasser, Tänzer, Gulaschverteiler alles, aber nichts für dauernd. Mit seiner liebenswerten Schlitzohrigkeit gehört er jedoch unbedingt zur Dorfgemeinschaft von Hódmezövásárhelykutasipuszta.

Bereits bei ihren Hauptdarstellern macht sich das feine Händchen von Regisseurin Simone Allweyer bei der Besetzung der Komödie “Piroschka” im Theater im Steinbruch bemerkbar. Die Geschichte des Austauschstudenten, der den Sommer in einem ungarischen Dorf verbringt, und der hübschen Tochter des Bahnhofvorstehers ist seit der Verfilmung mit Liselotte Pulver als Piroschka beliebt.

Simone Allweyer ließ sich von diesem Filmerfolg in ihrer ersten Regiearbeit mit Erwachsenen nicht besonders beeindrucken, sondern fand ihre eigene Version, die ihr äußerst kurzweilig und amüsant gelang. Die Bühne ist mit Bahnwärterhäuschen, Wartebank am imaginären Bahnhof, Festplatz, Windmühle, Doktorhaus und der Pension am Balaton im zweiten Teil klar strukturiert. Der Steinbruch wird mit einbezogen. Einige (Plastik)-Gänse schauen durch den Gartenzaun und zeigen die liebevolle Detailarbeit beim Bühnenbild. Die Zuschauer fühlen sich mitten in der Puszta oder in einem “Kaff”, wie es der Herr Student empfindet. “Muss gerast sein wie Deifel, hat nur sieben Minuten Verspätung”, wundert sich da der Bahnhofsvorsteher Istvan Rácz (Clemens Allweyer) über einen fast pünktlichen Zug und erntet Lacher.

Der Wortwitz mit dem unkorrekten Deutsch sorgt während der ganzen Aufführung für Heiterkeit. So, als Andi den Fotoapparat einstellt, um ein Bild von Piroschka und ihrer Nebenbuhlerin Greta (Simone Bruder) zu machen: “Jetzt mocht er uns scharf” oder die Milchstraße am Himmel zur Straßemilch wird. Die Hochzeit mit feurigem Czárdás, den schwingenden Röcken der Frauen, den hohen Lederstiefeln, Schnauzbart und weiten Hemdsärmeln der Männer machte aus dem Steinbruch optisch die Puszta.

Auch das Lied der Juiska aus der Operette “Maske in Blau” mit Jasmin Baumgratz war eine weitere, sehr stilechte Erweiterung des Originalstoffes und schuf ungarisches Leben in die Aufführung. Die Arbeit beim Maiskolbensortieren wird mit froher Musik (Igor Murye), einem Schluck Wein und in der Dorfgemeinschaft gleich viel angenehmer. Es wird gerne gelacht und jeder darf so sein wie er ist. Mit einer gewissen Lässigkeit wird über so manches hinweggesehen, es sei denn, es geht um das Setzen des Signals für die Züge. Obwohl, das macht nicht nur Istvan, sondern auch sein “Ehegatte” Margit (Beate Arnold), Piroschka oder Sándor. Und dann gibt es noch das Hausmädchen, das vom Studenten immer erschreckt wird, Greta, die sich der vielen Hände von Andreas erwehrt, den Pfarrer, der alle umarmt und küsst, die resolute Bahnhofsvorsteherfrau, die für die richtige Dienstkappe ihres Mannes sorgt. Oder die Hachberger Herolde, welche die Premiere klangvoll eröffneten.

Für alle, denen der ungarische Dorfname Hódmezövásárhelykutasipuszta zu kompliziert ist, die deutsche Übersetzung: Biberfeldmarktplatzbrunnenheide.

Badische Zeitung, 20.06.2010