Gretchen 89 ff.

Theaterstück von Lutz Hübner

Mit „Gretchen 89 ff.“ lässt der Autor Lutz Hübner sein Publikum in viele skurrile und lustige Probenprozesse des Theaters blicken und dabei keines der Klischees aus, die alle ZuschauerInnen schon immer vermutet haben und alle Theaterschaffenden nur zu gut kennen. Am Beispiel der „Kästchenszene“ des Gretchens aus Goethes Faust, bei Reclam zu finden ab Seite 89 ff., werden in zehn humorvollen Szenen die Stereotype des Theaters präsentiert und genussvoll seziert:


Die Diva: "Herrgottnochmal, in diesem Kaff ein Taxi zu kriegen, scheint ja ein Ding der Unmöglichkeit zu sein."
Die Anfängerin: "Guten Morgen, Herr Riedel, ich hab da … ich hab da einige Schwierigkeiten mit der Szene."
… und Regisseure, wie Schauspieler:innen sie kennen …
Der Freudianer: "Schon okay, du brauchst dich nicht vor mir zu erniedrigen, bloß weil ich hier Regie führe, wir wollen uns ja kennenlernen, nicht?"
Der Streicher: "Alles schön und gut, aber zu lang, zu lang. Das hält nur auf."
Der alte Haudegen: "Sieh mal an, der Neippert ist gestorben. Alfons Neippert, schreiben hier nicht was, war aber bestimmt der Magen. Kein schlechter Typ, sehr guter Posa gewesen bei Fehling, kleiner S-Fehler."
Der Schmerzensmann: "Verschon mich mit der ganzen Theoriescheiße, der Rezipient muss das nachher auch ganz unmittelbar aufnehmen. Wichtig ist, du musst das fleischlich denken."
Das Tourneepferd: "Da bist ja scho, Schazerl. Früh am Morgn bin i einfach nett zu gbrauchn. Und wenn i kei Bodwann aufm Zimmer hob, da werd ich ned woch."
Und dann sehen wir auch noch das Letzte: den Hospitanten: "Ich hab auch mal Theater gespielt. In der Schule. Dürrenmatt."